In der Nacht zum 24. Januar 2026 führte Russland eine groß angelegte kombinierte Luftoffensive gegen die Ukraine durch. Insgesamt setzte die russische Armee 375 Angriffsdrohnen, zwei Hyperschall-Antischiffsraketen vom Typ 3M22 „Zirkon“, sechs ballistische Raketen Iskander-M/S-400 sowie zwölf Marschflugkörper Ch-22/Ch-32 ein. Einschläge von zwei Raketen und 18 Drohnen wurden an 17 Orten registriert. Der Hauptangriff richtete sich gegen die Hauptstadt Kyjiw und die umliegende Region, Explosionen wurden zudem in Charkiw und weiteren Landesteilen gemeldet.
Tote, Verletzte und schwere Zerstörungen in Kyjiw
Nach bestätigten Angaben kamen mindestens vier Menschen ums Leben, 30 weitere wurden verletzt. In Kyjiw traf eine Rakete im Bezirk Solomjanskyj ein sechsstöckiges Bürogebäude und zerstörte einen Teil der Struktur. Im Bezirk Holossijiwskyj lösten herabstürzende Trümmerteile auf dem Gelände einer Süßwarenfabrik einen Großbrand in Lager- und Produktionshallen aus. Im Bezirk Dniprowskyj explodierte auf einem Parkplatz ein Tanklastwagen, was zu einem ausgedehnten Feuer und erheblichen Schäden an umliegenden Wohnhäusern führte.
Kritische Infrastruktur gezielt getroffen
Besonders gravierend waren die Folgen für die zivile Infrastruktur der Hauptstadt. Nach einem Treffer auf einen zentralen Energieknoten auf dem linken Dnipro-Ufer fielen mehrere Pumpstationen aus. Rund 500.000 Einwohner blieben ohne Wasserversorgung, etwa 1,2 Millionen Menschen ohne Heizung. Zudem wurde auf der grünen Metrolinie ein oberirdischer Streckenabschnitt beschädigt, wodurch der Bahnverkehr kurzfristig eingeschränkt werden musste. Im Bezirk Darnyzkyj trafen Drohnen eine medizinische Klinik sowie Marktstände, mehrere Pavillons brannten vollständig aus.
Angriffe auf Charkiw und die Region Kyjiw
In Charkiw richteten sich nächtliche Drohnenangriffe ebenfalls gegen zivile Ziele. Besonders betroffen war der Industriebezirk, wo Krankenhaus- und Entbindungsstationen beschädigt wurden: Fenster gingen zu Bruch, Dächer und medizinische Ausrüstung wurden zerstört. Auch ein Wohnheim für Binnenvertriebene sowie ein Universitätsgebäude wurden getroffen. Schäden an Gasleitungen und Stromnetzen führten dazu, dass Teile der Stadt bei Frosttemperaturen ohne Heizung und Gasversorgung blieben.
In der Region Kyjiw konzentrierten sich die Angriffe auf die Bezirke Browary und Boryspil. Vier Zivilisten wurden verletzt, zwei Frauen mit mittelschweren Verletzungen hospitalisiert. Mindestens fünf Wohnhäuser, mehr als 20 Fahrzeuge im Bezirk Butscha sowie Energieanlagen im Bezirk Wyschhorod wurden beschädigt. Die Folgen waren großflächige Brände und Notabschaltungen der Stromversorgung in der gesamten Region.
Folgen für Verkehr und Stromnetz
Durch die Beschädigung von Umspannwerken kam es zu Stromausfällen an den Eisenbahnknotenpunkten Kyjiw und Charkiw. Mehr als zehn Züge verspäteten sich. Der Netzbetreiber bestätigte Schäden an zentralen Übertragungsanlagen, die den Ausgleich von Stromkapazitäten zwischen den Regionen erheblich erschweren.
Angriff im Kontext internationaler Diplomatie
Der Zeitpunkt der Angriffe fällt mit intensiven diplomatischen Aktivitäten zusammen. In Kyjiw und westlichen Hauptstädten wird der Beschuss als Signal des Kremls gewertet, dass laufende Gespräche keinen Kurswechsel markieren. Während in Davos über wirtschaftliche Perspektiven und Wiederaufbau diskutiert wurde und parallel Kontakte zwischen Moskau und US-Vertretern stattfanden, intensivierte Russland die militärische Gewalt. Beobachter sehen darin den Versuch, Verhandlungen als taktische Deckung zu nutzen und gleichzeitig den Druck auf die Zivilbevölkerung zu erhöhen.
Strategie des Drucks durch Zerstörung
Die gezielten Schläge gegen Energie-, Verkehrs- und Industrieanlagen unterstreichen, dass es Moskau nicht um eine kurzfristige militärische Wirkung allein geht. Vielmehr zielen die Angriffe darauf ab, das Leben in ukrainischen Städten während des Winters systematisch zu destabilisieren. Der Entzug von Wärme, Wasser und Strom wird als Mittel eingesetzt, um gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen zu zermürben.
Signalwirkung für internationale Partner
Die jüngste Angriffswelle wird in der Ukraine und bei ihren Partnern als Warnung verstanden, dass Vorstellungen eines raschen „Einfrierens“ des Konflikts an der Front die Realität verkennen. Die Kombination aus diplomischer Rhetorik und eskalierender Gewalt verdeutlicht, dass Russland derzeit keine Anzeichen einer echten Deeskalation zeigt. Für westliche Regierungen stellt sich damit erneut die Frage, wie glaubwürdig Verhandlungsformate ohne gleichzeitigen militärischen und politischen Druck auf Moskau sein können.


