Die Arbeiterkammer Ried hat im Jahr 2025 für ihre Mitglieder Zahlungen von insgesamt 3.728.773 Euro in arbeits- und sozialrechtlichen Ansprüchen sowie Forderungen nach Insolvenzen erkämpft. Besonders häufig geht es um falsch eingestufte Pflegestufen. Darüber berichtet Welt Stimme.
Im Bezirk Ried sind aktuell 26.699 Mitglieder der Arbeiterkammer gemeldet. Im Jahr 2025 wandten sich Rat- und Hilfesuchende insgesamt 5.862 Mal an die Experten der Arbeiterkammer Ried. Davon erfolgten 3.535 Anfragen telefonisch, 1.822 persönlich und 505 per E-Mail. Außergerichtlich hat die Arbeiterkammer Ried 568.129 Euro an vorenthaltenem Entgelt durchgesetzt. In Fällen, die vor Gericht gelangten, wurden für die Mitglieder weitere 193.269 Euro erkämpft. Insgesamt summiert sich diese Zahl auf 761.398 Euro. „Von den 153 Arbeitsrechtsfällen stammen 134 Fälle und somit fast 88 Prozent aus Betrieben ohne Betriebsrat. Betriebsräte sind daher keine Unruhestifter, sondern Ruhestifter“, erklärte Bezirksstellenleiter Christian Breyer. Die Hauptgründe für Interventionen waren offenes Entgelt, Endabrechnungsdifferenzen sowie Kündigungen und Entlassungen.
Es lohnt sich
Der höchste Betrag, konkret 179.770 Euro, wurde einem Mann zugesprochen, der drei Jahre lang unterentlohnt war und schließlich gekündigt wurde. Die Arbeiterkammer Ried erreichte für ihn die Nachzahlung der Lohndifferenz, eine Abgangsentschädigung und die Abfertigung. Ein weiterer bemerkenswerter Fall betraf eine junge Bürokauffrau, die nach ihrer Lehrabschlussprüfung in einem großen Unternehmen im Bezirk Ried übernommen wurde. Sie wurde jedoch um eine Gehaltsstufe zu niedrig eingestuft. Nach Interventionen durch die Arbeiterkammer erhielt sie 8.500 Euro nachgezahlt. Die Arbeiterkammer macht keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Beträgen: So wurde auch für eine Handelsangestellte ein Betrag von 75 Euro erkämpft, die aufgrund fehlender Berücksichtigung der KV-Erhöhung zustande kam.
„Fehleinstufungen müssen sanktioniert werden“
Zusätzlich zum Arbeitsrecht ist die Arbeiterkammer auch bei sozialrechtlichen Angelegenheiten aktiv. In diesen Fällen ist eine außergerichtliche Einigung nicht möglich, weshalb die Angelegenheiten vor Gericht gebracht werden. In 129 Sozialrechtsfällen erstritten die Experten der Arbeiterkammer im vergangenen Jahr 3.728.773 Euro. Diese Fälle betrafen überwiegend Themen wie Pensionen und Pflegegeld. Ein Beispiel ist eine Familie aus dem Bezirk Ried mit einem autistischen Kind, die zunächst nur die Pflegestufe eins erhielt, jedoch nach einem Gutachten des Sozialgerichts nun Anspruch auf die Pflegestufe sechs hat. „Die Arbeiterkammer gewinnt im Durchschnitt jeden Tag zwei Gerichtsverfahren, in denen eine höhere Einstufung festgestellt wird. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung, wie solch falsche Einstufungen zustande kommen, die regelmäßig korrigiert werden müssen. Auffällige Fehlbegutachtungen müssen auch Sanktionen zur Folge haben, sonst bleibt diese Praxis ein Geschäft“, so der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Andreas Stangl.
Mehr als 900.000 Euro bei Insolvenzen durchgesetzt
Zusätzlich zu den 761.398 Euro, die im Arbeitsrecht erkämpft wurden, und den 3.728.773 Euro aus sozialrechtlichen Angelegenheiten, wurden im Jahr 2025 für 140 Arbeitnehmer:innen aus zwölf insolventen Betrieben im Bezirk Ried 902.591 Euro durchgesetzt. Insgesamt macht dies eine Summe von 3.728.773 Euro aus.


