Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich nimmt alarmierend ab. In den letzten 45 Jahren hat sich die Anzahl der Bauernhöfe im Bezirk Leibnitz mehr als halbiert, während die Flächen gleich geblieben sind – dies passiert trotz steigender Herausforderungen für die Landwirtschaft. Darüber berichtet Welt Stimme.
Aktuell gibt es im Bezirk Leibnitz nur noch etwa 3.000 Landwirtschaftsbetriebe. Diese Veränderung ist Teil eines größeren Trends, da in ganz Österreich täglich neun Bauernhöfe schließen. Der Rückgang ist besonders stark in der Steiermark zu spüren, wo die landwirtschaftlichen Betriebe immer weniger werden.
Strukturwandel in der Landwirtschaft
Die leichten Veränderungen der landwirtschaftlichen Flächen stehen im Kontrast zu der dramatischen Abnahme von Bauernhöfen. Christoph Zirngast, der Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer, erklärt, dass die Land- und Forstwirtschaft im Bezirk sich von einem traditionellen, flächenintensiven System zu einer stärker diversifizierten und nachhaltigen Bewirtschaftung entwickelt hat. „Die Vielfalt und die Regionalität sowie die Innovation stehen sehr im Vordergrund“, so Zirngast. Besonders die Veredlungswirtschaft in der Schweinehaltung sowie die Qualitätsteigerung im Weinbau haben eine große Bedeutung für die Region.
Insgesamt werden rund 34.000 Hektar landwirtschaftlich genutzt, was etwa 45 Prozent der Fläche im Bezirk entspricht. Lediglich in der benachbarten Südoststeiermark ist der Anteil größer. Diese Zahlen spiegeln eine zunehmende Konzentration der Betriebe wider, während die durchschnittlichen Flächen pro Hof steigen.
Herausforderungen durch Wetterereignisse
Ein weiterer Faktor, der die Landwirtschaft in Leibnitz stark belastet, sind die häufigeren und intensiveren Unwetter. Zirngast weist auf die steigenden Risiken durch Klimaveränderungen hin: „Hagel, Sturm, Starkregen, Spätfrost und Dürre bedrohen regelmäßig Ernten.“ Diese Wetterextreme betreffen nicht nur die Ernten, sondern auch die betriebliche Infrastruktur, da Höfe sich zunehmend mit Versicherungen und Schutzmaßnahmen wappnen müssen.
Die Struktur der Betriebe hat sich in den letzten Jahren ebenfalls verändert. Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe im Bezirk werden im Nebenerwerb geführt. Laut Zirngast steigt der Druck auf die Betriebe durch die Bevölkerungszunahme und den Flächenverbrauch zunehmend. Gleichzeitig wächst jedoch auch die Erwartung an einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlicher Ressourcen.
Moderne Herausforderungen und Chancen
Die Frage, ob es heute einfacher oder schwieriger ist, in der Landwirtschaft tätig zu sein, wird vielfältig diskutiert. Zirngast meint, dass die Anforderungen in der Landwirtschaft heute technischer, wissensintensiver und vernetzter sind, jedoch auch mit hohem Risiko, bürokratischen Aufwänden und wirtschaftlicher Unsicherheit einhergehen. „Die moderne Technik und Digitalisierung haben viele Arbeitsschritte erleichtert“, erklärt er und hebt die positiven Entwicklungen in Fachschulen sowie die Unterstützung durch die Landwirtschaftskammer hervor.
Doch die Herausforderungen bleiben erheblich. Die Erntepreise schwanken stark und hängen vom globalen Markt ab. „Trotz der Schwierigkeiten ist der Beruf des Landwirtes für viele Menschen eine erfüllende Aufgabe“, so Zirngast, der über seine Erfahrungen spricht. Für die Regionalentwicklung bleibt die Landwirtschaft eine tragende Säule, auch wenn die Betriebe quantitativ zurückgehen.


