Seit Jänner 2025 gilt in Österreich das Einweg-Pfandsystem. Was anfangs für Unmut sorgte, zeigt nun Wirkung: Rücklaufquoten steigen, die Umwelt profitiert – und selbst der Handel ist positiv überrascht. Darüber berichtet Welt Stimme.
VILLACH/KÄRNTEN. Das Pfandsystem in Österreich soll sicherstellen, dass Kunststoffflaschen und Dosen nicht im Restmüll oder in der Natur landen, sondern sortenrein gesammelt und recycelt werden. Mit der Einführung des 25-Cent-Pfands für ausgewählte Einweggebinde am 1. Jänner 2025 soll eine funktionierende Kreislaufwirtschaft gefördert werden – dadurch sollen weniger Abfälle produziert, Ressourcen besser genutzt und die Umwelt geschützt werden.
Start mit Gegenwind
Wie viele Systemumstellungen begann das Pfandjahr mit Schwierigkeiten. Kritisiert wurden der erhöhte Aufwand, volle Rückgabeautomaten und Unsicherheiten an den Kassen. Insbesondere in den ersten Monaten führte die Übergangszeit und die uneinheitliche Pfandregelung zu Verwirrung. Der anfängliche Ärger war jedoch nicht von Dauer.
Zahlen, die wirken
Fast ein Jahr nach der Einführung zieht die Bilanz überraschend positiv aus. Bis Ende September 2025 wurden österreichweit 888 Millionen Flaschen und Dosen zurückgegeben, bis Ende Oktober wurde die Milliardengrenze überschritten. Das ursprüngliche Ziel von 80 Prozent Rücklaufquote für 2025 wird voraussichtlich erreicht, wobei bis 2027 sogar eine Quote von 90 % angestrebt wird. Recycling Pfand Österreich attestiert, dass man „klar auf Kurs“ ist. Auch abseits der Statistiken zeigt sich der positive Effekt: In der Natur sind deutlich weniger Flaschen und Dosen zu finden, was Gemeinden und Sammelzentren zugutekommt.
Horst Niederbichler, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbands Villach: „Der große Gewinn des Pfandsystems ist, dass weniger Gebinde achtlos weggeworfen werden – das entlastet Umwelt und Gemeinden gleichermaßen.“
Neue Sammelintervalle
Dank des Pfandsystems bleibt in der Gelben Tonne und im Gelben Sack mehr Platz. In Villach erfolgt die Abholung von Kunststoff- und Metallverpackungen ab Jänner 2026 seltener – in Einfamilienhäusern alle sechs Wochen, in größeren Anlagen alle drei Wochen. Weiterhin korrekt gesammelt werden sollten Joghurtbecher, Waschmittel- und Reinigungsmittelflaschen, Aluschalen, Tuben, Konservendosen, Kronkorken, Getränkekapseln sowie PET-Flaschen oder Dosen aus dem grenznahen Ausland; Pfandflaschen sind jedoch ausgeschlossen. Wer auf sein Pfand verzichtet, kann dennoch den gelben Sack nutzen.
Pfand zum Spenden
Besonders erfreulich ist ein Detail an den Rückgabeautomaten: Immer mehr Kunden spenden ihr Pfandgeld direkt. Obwohl es keine zentrale Gesamtsumme gibt, melden einzelne Händler beachtliche Beträge. Das Spenden-Pfand entwickelt sich zu einem stillen Erfolg. Zudem setzen Handelsketten auf digitale Lösungen: Bei Spar kann der Pfandbon beispielsweise per QR-Code direkt in der App gespeichert werden, sodass Papierbons überflüssig werden und das Pfandgeld digital verfügbar bleibt.
Kritischer Blick
Nicht alle Akteure profitieren vom Einwegpfand in gleichem Maße. Während große Handelsketten und Konzerne zunehmend routiniert mit dem System arbeiten, sehen sich kleine Betriebe und Direktvermarkter mit erheblichem logistischen Mehraufwand konfrontiert. Die Obstpresse Wallner aus Fresach beschreibt das Pfand als organisatorische Belastung: Kunden kommen oft nur sporadisch, was bedeutet, dass Pfandgebinde lange liegen bleiben oder gar nicht retourniert werden. Der Inhaber Wallner fordert, den logistischen Aufwand für kleine Betriebe im Blick zu haben. Gleichzeitig zwingt das Pfandsystem große Getränkehersteller dazu, neue Wege zu finden. Unternehmen wie Rauch reagieren mit neuen Verpackungslösungen, unter anderem pfandfreien Alternativen und Mehrwegüberlegungen.
Einwegpfand Österreich – kurz & knapp
- Start: 1. Jänner 2025
- Pfandhöhe: 25 Cent
- Rückgabe bis Sept. 2025: 888 Mio. Gebinde
- Ziel Rücklaufquote: 80 % (2025), 90 % (2027)
- Spenden über Händler: bereits mehrere 100.000 €
KI-Bilder sorgen für Diskussion
Seit der Einführung des Einwegpfands läuft eine Petition der FPÖ gegen das neue System. Kritisiert werden hohe Kosten, zusätzlicher Aufwand für Konsumenten sowie die vermeintliche Bevorzugung großer Konzerne. Die FPÖ spricht von einem „bürokratischen und teuren Chaos“, das Familien, Pensionisten und kleine Betriebe belaste. Auch die visuelle Gestaltung der Kampagne steht in der Kritik. Medienexpertin Ingrid Brodnig analysiert in einer Kolumne im „Standard“ den auffälligen Einsatz von KI-generierten Bildern durch die FPÖ. Diese Bilder zeigen überzeichnete Szenen, um Emotionen zu schüren. Brodnig beschreibt dies als eine Strategie zur Dramatisierung politischer Botschaften: „Die KI ermöglicht eine neue Dramatisierung – billig, auf Knopfdruck, imposant.“


