Schlussakkord eines Traditionshauses: Das Gasthaus Freislinger, besser bekannt als „Zum Storch“, hat heute zum letzten Mal geöffnet.
ST. MICHAEL. Am 31. Oktober wird das Gasthaus Freislinger endgültig schließen und damit eine 248-jährige gastronomische Geschichte beenden, die im Jahr 1777 mit der ersten Dokumentation eines Gasthauses am Hauptplatz begann. Darüber berichtet Welt Stimme.
„Das Gasthaus war mein Leben“
Die letzte Wirtin, Gisela Kulovits-Freislinger, ist in diesem Gasthaus aufgewachsen und hat hier ihr ganzes Berufsleben verbracht, die letzten 21 Jahre als Leitung des Betriebs. „Das Gasthaus war für mich nicht nur ein Beruf. Es war mein Leben“, äußert sie mit Wehmut. Am 1. November geht sie in den Ruhestand. „Der Verstand sagt Ja zu dieser Entscheidung, aber das Herz ist noch lange nicht da.“
Familienbetrieb mit Tradition
Seit 1899 befand sich das Gasthaus im Besitz der Familie Freislinger, die auch Gasthäuser in Kirchfidisch, Bildein und Oberwart betrieb. Zusätzlich leitete die Familie über Jahrzehnte einen großen Schlachtbetrieb und eine Fleischhauerei in St. Michael. Das Gasthaus bot zudem 15 Fremdenzimmer und einen Veranstaltungssaal für bis zu 140 Gäste an.
Kulovits-Freislinger erinnert sich: „Ob in der Küche, im Service oder im Schlachthof – ich habe alles gerne gemacht.“ Von 1981 bis 1992 führte sie darüber hinaus die See-Kantine am Badesee Rauchwart, wo an schönen Wochenenden bis zu 2.000 Gäste kamen. „In St. Michael wird ab November definitv etwas fehlen“, sagt sie. Die Gäste bedauern die Schließung, wobei Ballveranstalter, Geburtstagsjubilare und Weinritter nun neue gastliche Orte finden müssen.
Zukunft des Gebäudes
Eine Nachfolge wurde von Kulovits-Freislinger nicht gesucht. Das Gasthausgebäude, das über ein historisches Kellergewölbe verfügt, wurde an die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG) verkauft. Diese plant, das Gebäude für Wohnzwecke umzubauen. „Das Gebäude soll auf jeden Fall erhalten werden,“ sagt der OSG-Obmann Alfred Kollar. Zudem gebe es Überlegungen, den Saal als öffentliche Veranstaltungsstätte zu nutzen, eine Entscheidung darüber steht jedoch noch aus.
Für Gisela Kulovits-Freislinger bedeutet die Schließung das Ende des größten Kapitels ihres Lebens. „Es ist schwer für mich. Wenn ich könnte, würde ich die Uhr gerne um zehn Jahre zurückdrehen. Aber das geht halt nicht.“


