AK Niederösterreich Vizepräsident Horst Pammer und AK Bezirksstellenleiter Günter Kraft haben bei einer Pressekonferenz die Halbjahresbilanz der AK Niederösterreich und der Bezirksstelle Tulln präsentiert.
TULLN. Im ersten Halbjahr 2025 haben mehr als 8.100 Menschen Kontakt zur AK Tulln aufgenommen, so der Bezirksstellenleiter Günter Kraft. Während in vielen Fällen lediglich schnelle Auskünfte erforderlich waren, benötigten 3.063 Personen weiterführende Beratung sowie Unterstützung der AK-Expertinnen und -Experten. Kraft führt aus: „Gerade die aktuellen Krisen machen einmal mehr deutlich, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind.“ Insgesamt hat die Bezirksstelle Tulln in den ersten sechs Monaten fast 3,6 Millionen Euro für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Region gesichert. Darüber berichtet Welt Stimme.
Halbjahres-Bilanz 2025 – Bezirk Tulln
Leistungen für unsere Mitglieder im Überblick
In der Bezirksstelle angedockt: 8.128
Konkrete Beratungen in Problemfällen: 3.046
Im Arbeits- und Sozialrecht eingebracht: 3.142.435 Euro
Davon Insolvenzvertretung: 1.249.017 Euro
Für die Mitglieder insgesamt erreicht: 3.585.646 Euro
AK erkämpft 7.600 Euro für KFZ-Techniker
Ein Kfz-Techniker aus dem Bezirk Tulln erhielt nach einer Überprüfung seiner Lohnabrechnung durch die AK Tulln insgesamt 7.600 Euro an ausstehenden Ansprüchen. Der 63-jährige Mann, der in einem regionalen Betrieb beschäftigt war, wurde während seiner Krankheit gekündigt und erhielt eine Endabrechnung, die als unvollständig empfunden wurde. Er suchte daraufhin die Hilfe der AK Tulln. Die Überprüfung durch die Arbeitsrechtsexpertinnen und -experten ergab, dass mehrere gesetzlich und kollektivvertraglich zustehende Ansprüche entweder falsch berechnet oder gar nicht berücksichtigt worden waren.
Was gilt bei Kündigung im Krankenstand?
Wesentlich zu beachten ist, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei einer Kündigung im Krankenstand die Entgeltzahlungen auch nach Ende des Arbeitsverhältnisses weiterhin leisten müssen, sofern die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch darauf haben.
„Wir haben die Ansprüche des Dienstnehmers sorgfältig berechnet und dem Dienstgeber schriftlich dargelegt“, berichtet Günter Kraft. Daraufhin reagierte der Arbeitgeber, und es fand ein Gespräch statt, in dem die Rechtslage erläutert wurde. Schließlich wurde eine korrigierte Abrechnung erstellt, und alle ausstehenden Beträge wurden nachbezahlt.
Für den betroffenen Arbeitnehmer bedeutete dies eine rasche Nachzahlung von etwa 7.600 Euro, die ohne das Eingreifen der AK nicht auf sein Konto gelangt wäre.
AK Tulln als verlässliche Anlaufstelle
„Gerade bei Beendigungen von Dienstverhältnissen können Fehler passieren“, betont Kraft. „Daher ist es besonders wichtig, Abrechnungen genau zu prüfen oder prüfen zu lassen. Unsere Beratung steht allen AK-Mitgliedern offen.“
Der Fall verdeutlicht die Relevanz einer starken Interessenvertretung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere bei der Feststellung fehlerhafter Berechnungen oder der Durchsetzung nicht ausbezahlter Ansprüche. Die AK Tulln bietet in solchen Fällen Unterstützung durch rechtliches Fachwissen und Erfahrung.
AK Niederösterreich erreicht im ersten Halbjahr 68,8 Mio. Euro für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
Im ersten Halbjahr 2025 suchten mehr als 74.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Hilfe bei der AK Niederösterreich. „Für die Betroffenen haben wir 68,8 Millionen Euro erreicht“, bilanziert Horst Pammer, Vizepräsident der AK Niederösterreich.
Ein erheblicher Beratungsbedarf kam insbesondere von Teilzeitbeschäftigten. „Gerade im Handel kommt es regelmäßig vor, dass Teilzeitbeschäftigte häufig mehr arbeiten als vertraglich festgelegt“, schildert Pammer und verweist auf eine Musterrechnung, die die Ungleichheiten aufzeigt. Erkenntnisse belegen, dass bei gleichen Arbeitszeiten Teilzeitbeschäftigte oft mit geringeren finanziellen Vorteilen konfrontiert sind.
Zusätzlich bemängelt Pammer, dass Arbeitgeber gesetzliche Vorschriften bezüglich der Vergabe von freigewordenen Vollzeitstellen oftmals nicht einhalten, was es Teilzeitbeschäftigten erschwert, in Vollzeit zu arbeiten.
Insgesamt wandten sich vom 1. Januar bis 30. Juni mehr als 74.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufgrund von Arbeitsplatzproblemen an die AK Niederösterreich. Die meisten Anliegen konnten durch Beratung schnell gelöst werden; in fast 6.400 Fällen war eine Intervention oder rechtliche Schritte notwendig.
Durch diese Bemühungen erzielte die AK Niederösterreich im ersten Halbjahr Nachzahlungen in Höhe von insgesamt 68,8 Millionen Euro, hauptsächlich für ausstehende Löhne, Gehälter und nicht bezahlte Urlaubs- oder Kündigungsentschädigungen. „Ohne unsere Beratung und Rechtsvertretung wären die meisten Betroffenen nicht zu ihrem Geld gekommen,“ fasst Pammer zusammen.


