Die Diskussion über die Liberalisierung der Sonntagsöffnungszeiten hält die Tiroler Politik in Atem. Die NEOS fordern eine entsprechende Änderung, während Bischof Hermann Glettler und der AAB klaren Widerspruch anmelden. Eine Umfrage der Gewerkschaft GPA Tirol aus November 2025 zeigt, dass 96,8 Prozent der befragten Handelsangestellten nicht bereit sind, am Sonntag zu arbeiten. Darüber berichtet Welt Stimme.
INNSBRUCK. „Eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist längst überfällig, damit die Unternehmerinnen und Unternehmer selbst entscheiden können, wann und ob sie auch sonntags ihre Geschäfte öffnen oder nicht. Ich möchte auch Licht in die Wirtschaftsförderungen bringen und stelle daher Anfragen, welche Betriebe und Unternehmen wann und wie viel Steuergeld aus den Fördertöpfen erhalten haben“, erklärt LA Birgit Obermüller von den NEOS.
Kein Verständnis
Bischof Hermann Glettler äußert kein Verständnis für die Liberalisierung der Sonntagsöffnungszeiten. „Der Sonntag ist mehr als ein wirtschaftliches Thema des Handels, er ist ein gemeinsamer Ruhetag, der soziale Beziehungen, Familien, aber auch das vielfältige Ehrenamt stärkt. Bestehende Ausnahmen – etwa in Tourismusregionen und bei der Nahversorgung – tragen realen Bedürfnissen ausreichend Rechnung“, betont Glettler.
Bischof Hermann Glettler: „In unserer nervösen und belasteten Zeit ist der arbeitsfreie Sonntag eine heilsame Oase. Eingebettet in den 7-Tage-Rhythmus der Woche ist es ein Tag der Entlastung und Erholung für Körper und Seele – auch für Menschen, die nicht an den christlichen Gottesdiensten teilnehmen. Lebensfreude, Zuversicht und Segen lässt sich nicht kaufen! Der arbeitsfreie Sonntag soll auch in Zukunft ein Fundament für soziale Balance und Lebensqualität sein.“
Keine generelle Sonntagsöffnung
AAB-Landesobmann Jakob Wolf erteilt den Forderungen der Tiroler NEOS nach einer generellen Sonntagsöffnung im Handel eine klare Absage: „Mit uns wird es keine flächendeckende Sonntagsöffnung geben. Der Sonntag ist und bleibt ein Tag der Ruhe und Erholung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, genauso ein freier Tag für ganze Familien.“ Wolf hebt hervor, dass der Schutz des arbeitsfreien Sonntags ein zentrales sozialpolitisches Anliegen sei.
„Wer im Handel arbeitet, leistet bereits unter der Woche und an Samstagen wertvolle Arbeit. Eine weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten würde vor allem zusätzlichen Druck auf die Beschäftigten ohne echten Mehrwert für den Standort erzeugen“, so Wolf weiter.
Wolf verweist auf bestehende Ausnahmeregelungen: „Für besondere Bereiche wie Bahnhöfe, Flughäfen oder Tourismusgebiete gibt es bereits praxistaugliche Lösungen, um die Nahversorgung sicherzustellen. Diese Ausnahmen haben sich bewährt, darüber hinaus braucht es keine generelle Liberalisierung.“
Die Forderung von NEOS-Landesprecherin Birgit Obermüller, Unternehmerinnen und Unternehmer selbst über Sonntagsöffnungen entscheiden zu lassen, sieht Wolf kritisch: „In der Praxis würde das zu einem weiteren Wettbewerbsdruck führen, dem sich viele Geschäfte nicht entziehen könnten. Besonders kleine Betriebe und Familienbetriebe würden so unter die Räder kommen.“ Wolf schließt mit der Feststellung: „Als AAB stehen wir klar an der Seite der Beschäftigten. Leistung muss sich lohnen, aber Erholung ist ebenso wichtig. Der arbeitsfreie Sonntag ist ein gesellschaftlicher Wert, den wir schützen.“


