Die wirtschaftliche Lage in Innsbruck ist weiterhin angespannt, da mit „Bier & Biendl“ und Starbucks zwei prominente Unternehmen ihre Standorte aufgegeben haben. In der politischen Diskussion wächst die Kritik an der Stadtregierung und der wirtschaftlichen Entwicklung in der Stadt. Darüber berichtet Welt Stimme.
INNSBRUCK. Im März 2025 veröffentlicht der Handelsverband im S+M City Retail Österreich-Check für Innsbruck eine Verkaufsfläche von 114.100 m², die 748 Shops umfasst. Während der Filialisierungsgrad bei 30,2 % liegt, wird die Leerstandsquote auf 5,0 % und die Fluktuationsrate auf 10,6 % beziffert. Zum Vergleich: 2024 betrug die Verkaufsfläche 117.100 m² mit 717 Shops, die Leerstandsquote lag bei 4,3 % und die Fluktuationsrate bei 16,2 %.
Lösungsansätze
Eine im Februar 2025 veröffentlichte Studie des IFH Köln ergab, dass der Handel weiterhin der Hauptbesuchsgrund in der Innenstadt ist (61 %), gefolgt von Gastronomie (40 %) und Sightseeing (20 %). Um diese Situation zu erhalten, sei eine angenehme „Visitor Journey“ notwendig – von der Informationsphase über die Anreise bis zur Aufenthaltsqualität und dem Angebot vor Ort. Wichtigste Forderungen der Besucher sind verbessertes Toilettenangebot, mehr Grünflächen sowie eine Ausweitung der Angebote für Kinder und Jugendliche.
Studie der Stadt
Der Stadtsenat hat einstimmig beschlossen, die Einzelhandelsstrukturanalyse 2020 für Innsbruck, Rum und Völs fortzuschreiben. Das gesamte Projekt, das auch einen Strategie- und Maßnahmenplan umfasst, kostet 52.800 Euro, wobei Innsbruck 38.800 Euro übernimmt. Laut Wirtschaftsstadträtin Mariella Lutz soll die aktualisierte Analyse dazu beitragen, die Einzelhandelsstruktur langfristig zu bewerten und mit bisherigen Daten zu vergleichen, während sich die Wettbewerbsbedingungen und Online-Handel veränderten.
Anlass zur Sorge
Laut Mario Gerber, dem VP-Stadtparteiobmann und Wirtschaftslandesrat, ist die wirtschaftliche Entwicklung in Innsbruck bedenklich. Er fordert mehr Engagement von der Stadtregierung, um die Innenstadt als Einkaufsstandort attraktiv zu halten. Gerber hebt hervor, dass die Schaffung von Rahmenbedingungen für Unternehmer entscheidend sei und warnt vor weiteren wirtschaftsfeindlichen Maßnahmen, die zur Belastung führten.
Wirtschaftlicher Stillstand
FPÖ-Stadtrat Markus Lassenberger kritisiert die Stadtregierung scharf und fordert Maßnahmen gegen die Vielzahl leer stehender Geschäfte. Er beschreibt die unattraktive und verwahrloste Situation in der Innenstadt, insbesondere in der Museumstraße, als besorgniserregend. Zudem bemängelt er, dass teure Prestigeprojekte keine realistischen Lösungen darstellen. Lassenberger fordert ein entschiedenes Handeln zur Belebung der Innenstadt.
Ignoranz der Verantwortlichen
Tom Mayer von der Liste Fritz bezeichnet das fortdauernde „Shop-Sterben“ in Innsbruck als unverantwortlich und fordert ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Belebung der Innenstadt. So seien konkrete Antworten auf Anfragen der Opposition bisher ausgeblieben. Mayer fordert strategische Zielsetzungen, um die Leerstandsquote gezielt zu reduzieren und Innsbrucks Zentrum als Wirtschaftsstandort zu revitalisieren.


