Die Geschäftsführer der LMF, Dr. Günther Ognar und Mag. Gerhard Berger, führten kürzlich Interessierte durch die LMF, die heuer (2025) 175 Jahre alt ist und damit einer der ältesten Industriebetriebe in der Region. Solche öffentliche Führungen sind eine Rarität. Darüber berichtet Welt Stimme.
Gründung, Aufstieg und Krimi
Die LMF wurde 1850 in Leobersdorf gegründet. Josef Berger, der Gründer und ehemaliger Gussmeister bei Brück’schen Eisenwerken in Fünfkirchen, stieg in die Gießerei- und Maschinenbauindustrie ein, indem er zunächst die Hödel’sche Gießerei in Hirtenberg pachtete. Bis 1853 errichtete er ein eigenes Werk in Leobersdorf, das eine Gießerei, eine Appreturwerkstätte, ein Kesselhaus und ein Beamtenhaus umfasste. Jedoch verstarb er vor der Produktion im Jahr 1853, was seine Frau und ihren Schwager Josef Hurtz zwingt, das Unternehmen zu übernehmen. Im Laufe der Jahre 1856/1857 erlebte der Betrieb eine Erweiterung.
Ein bemerkenswerter Kriminalfall spielte sich 1859 ab: Josef Hurtz wurde verdächtigt, das Verschwinden seines Bruders Karl zu decken. Karl Hurtz, der das Wiener Unternehmen leitete, wurde tot aufgefunden, was zu einem Mordverdacht führte.
1871 wechselte das Unternehmen in den Besitz von Jakob Neumann. In den folgenden Jahren wechselte die Eigentümerschaft nochmals, und 1887 kam LMF schließlich in die Hände der ungarischen Firma Ganz & Comp. unter András Mechwart.
Wie Leobersdorf profitierte
Die Übernahme durch Ganz & Comp. leitete eine Phase der Modernisierung der LMF ein. Zunächst wurden Bestellungen über Panzerkuppeln vom k.u.k. Kriegsministerium erteilt, und der Bau von Wasserturbinen wurde als neuer Erwerbszweig eingeführt. So wurde die LMF zur ersten österreichischen Turbinenfirma. Einige der hergestellten Turbinen sind noch heute am Wiener Neustädter Kanal in Betrieb.
1889 begann der Bau eines zweiten Arbeiterhauses und anderer Betriebsgebäude. Bis 1891 erlebte der Standort eine deutliche Entwicklung; neue Wohngebäude sowie soziale Einrichtungen wurden eingerichtet. Am 22. Dezember 1897 wurde die Südbahnstraße erstmals elektrisch beleuchtet.
Dieselmotore ab 1905
Im Jahr 1896/97 besuchte der Ingenieur Rudolf Diesel das Werk, um seine Dieselmotoren in Österreich-Ungarn einzuführen. Die ersten Serienproduktion von Dieselmotoren begann jedoch erst 1905. Von 1901 bis 1903 arbeitete Viktor Kaplan in der Fabrik und verbesserte die Dieselmotortechnologie. Die LMF war die erste Fabrik, die Dieselmotore für Schiffe der k.u.k. Kriegsmarine lieferte und hatte 1910 eine Exportquote von 80 %.
Das Unternehmen wurde 1906 unter dem Namen Leobersdorfer Maschinenfabriks AG umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte die LMF rund 1.200 Mitarbeiter vor dem Ersten Weltkrieg, wobei sie auch über Niederlassungen in Wien und Klagenfurt verfügte. Nach dem Krieg ging die Mitarbeiterzahl aufgrund der schlechten Wirtschaftslage auf etwa 500 zurück, und 1929 wurde das Aktienkapital reduziert.
Nach 1938: Widerstand und Rehabilitation
Nach dem Anschluss Österreichs übernahm die deutsche Weserhütte die LMF, und die Belegschaft wuchs auf 1.500 Mitarbeiter. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Flugzeugteile und Munition produziert. Zahlreiche Mitarbeiter waren im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv. Ein Gedenkstein auf dem LMF-Areal erinnert an Franz Geißler, der 1945 für sein politisches Engagement hingerichtet wurde.
Nach dem Krieg übernahm die sowjetische USIA die LMF. 1946 wurden die ersten Kompressoren hergestellt, jedoch wurde das Unternehmen nach dem Staatsvertrag geschlossen.
1956 kaufte Egon Strager das stillgelegte Werk und verlegte zwei bestehende Werke nach Leobersdorf. Im Jahr 2004 erwarb Invest Equity die LMF. 2016 übernahm die chinesische Zhejiang Kaishan Compressor Co. Ltd. 95,5 % der Unternehmensanteile.
Eine öffentliche Jubiläumsfeier fand nicht statt, die Geschäftsführer gaben jedoch bekannt, dass im Rahmen der internen Weihnachtsfeier auf dieses seltene Jubiläum angestoßen wird.


