Motorboot-Wellen am Wörthersee gefährden Ökosystem, neue TU Graz-Studie zeigt Auswirkungen

März 5, 2026 07:37
Motorboot-Wellen am Wörthersee gefährden Ökosystem, neue TU Graz-Studie zeigt Auswirkungen

Wörthersee: Auswirkungen von Bootswellen auf das Ökosystem dokumentiert

Ein Forschungsprojekt der TU Graz sorgt derzeit für Aufmerksamkeit: Erstmals wurden am Wörthersee Bootswellen millimetergenau gemessen und deren Auswirkungen auf das Ökosystem untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Motorbootwellen zur Aufwirbelung von Sedimenten beitragen und Unterwasserpflanzen schwächen können. Darüber berichtet Welt Stimme.

WÖRTHERSEE. Im Rahmen des Projekts „WAMOS“ (Wave Monitoring System based on GNSS/INS Integration) wurden durch die TU Graz Sensorbojen, Satellitendaten und KI-gestützte Bootserkennung eingesetzt, um die Wellenhöhen mit einer Genauigkeit von unter zehn Millimetern zu messen. Laut dem Studienautor Philipp Berglez führen Motorbootwellen nachweislich zu einer Erhöhung der Trübung des Wassers und wirken sich negativ auf die Makrophyten aus – diese Unterwasserpflanzen gelten als Bio-Indikatoren für den ökologischen Zustand des Sees. Das Land Kärnten stellt jedoch klar, dass ähnliche Ergebnisse bereits im „Schutz- und Nutzungskonzept Wörthersee“ verankert sind. Norbert Sereinig, Abteilungsleiter der Wasserwirtschaft, betont, dass die TU-Studie ein unabhängiges Forschungsprojekt sei, das nicht vom Land beauftragt wurde. Erste Bewertungen ergaben, dass die Ergebnisse weitgehend die bisherigen Erkenntnisse bestätigen.

915 limitierte Bootszulassungen

Die Zahl der Motorbootlizenzen am Wörthersee hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt. Laut der zuständigen Abteilung 7 für Wirtschaftsstandorte im Land Kärnten gibt es derzeit 915 limitierte Zulassungen. Diese beruhen auf der Schifffahrtsverordnung des Landes; eine Zulassung ist nicht handelbar und neue Genehmigungen erfolgen über ein Vormerklistensystem. Eine endgültige Bewertung möglicher künftiger Regelungen wird im Rahmen des laufenden „Seendialogs“ vorgenommen, der Stakeholder und staatliche Stellen einbezieht.

„Keine neuen Erkenntnisse“

Peter Peschel, Geschäftsführer der Region Wörthersee-Rosental, bestreitet, dass die Studie grundlegend neue Erkenntnisse liefere. Er verweist auf das bestehende Schutz- und Nutzungskonzept und hebt hervor, dass es bereits ein Maßnahmenpaket gebe. Das Problem liege seiner Meinung nach nicht im Erkenntnisgewinn, sondern in der praktischen Umsetzung: „Es gibt nicht die eine Lösung für den See. Man muss an vielen Schrauben drehen – von der Durchsetzung bestehender Regeln bis zur Bewusstseinsbildung.“ Peschel spricht sich gegen ein pauschales „Verbotsregime“ aus und plädiert für einen ausgewogenen Dialog zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Interessen. Der Tourismussektor habe bereits eigene Initiativen ergriffen, wie Informationsfolder zum Verhalten am See, und es wurde ein Projektantrag zur Renaturierung der Uferbereiche bei der Seeuferkommission eingereicht.

Komplexe ökologische Herausforderungen

Die Studie und die Tourismustätigkeit weisen darauf hin, dass die ökologischen Herausforderungen am Wörthersee vielschichtig sind. Neben den Bootswellen spielen auch Fischbestände wie die Karpfen eine Rolle beim Rückgang von Unterwasserpflanzen. Laut der EU-Wasserrahmenrichtlinie wird der See derzeit als „mäßig“ eingestuft, basierend auf dem schwächsten ökologischen Parameter. Gleichzeitig bleibt die Badequalität laut den zuständigen Behörden unbedenklich.

Wie geht es weiter?

Das Land Kärnten verweist auf laufende Monitoring-Programme, die vom Bundesministerium und dem Kärntner Institut für Seenforschung durchgeführt werden. Bereits umgesetzte Schutzmaßnahmen umfassen Schilfschutzzäune und Ufer-Renaturierungen. Ob zukünftig weitere Regulierungen im Bootsverkehr erforderlich sind, wird im Rahmen des Seendialogs diskutiert. Die Ergebnisse dieses Prozesses stehen noch aus.

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