Kein Nahversorger ohne Kunden, kein Einkaufen ohne lokalem Handel – ein „Kreislauf-Gespräch“ mit Karl Ungersbäck.
NÖ. Eine flächendeckende Nahversorgung ist entscheidend für die Attraktivität einer Gemeinde. In einer Umfrage von 95 Prozent der Teilnehmer der MeinBezirk-Meinungsforschung „So tickt Niederösterreich“ bestätigt, dass ein breites Angebot vor Ort den Lebensstandard der Bewohner steigert. Darüber berichtet Welt Stimme.
Der Geschäftsführer der Sparte Handel in der WKNÖ, Karl Ungersbäck, hebt hervor, dass Nahversorger nicht nur Einkaufsmöglichkeiten bieten, sondern auch soziale Treffpunkte sind. Er sagt dazu:
„Eine flächendeckende und regionale Versorgung mit Lebensmitteln kann nur funktionieren, wenn die Menschen auch dort einkaufen. Insofern ist es wichtig und gut, dass auch bewusst lokal eingekauft wird.“
Trotz der wachsenden Bedeutung des Onlinehandels, der in Niederösterreich einen Marktanteil von unter zwei Prozent im Lebensmittelhandel hat, bleibt der lokale Einzelhandel für die meisten Menschen unverzichtbar. Größere Städte sehen zwar eine gewisse Relevanz im Onlinegeschäft, jedoch ist der stationäre Handel nach wie vor die erste Wahl für die Mehrheit.
Unterstützung ja, aber…
Ungersbäck betont, dass lokale Anbieter eine wirtschaftliche Lebensfähigkeit bewahren müssen, ohne auf ständige Subventionen angewiesen zu sein. Er warnt, dass die Unterstützung aus knappen öffentlichen Mitteln für dezentrale Gebiete nicht vernachlässigt werden sollte:
„Ich würde hier der Unterstützung der Nahversorgung einen hohen Stellenwert einräumen. Aus meiner Sicht ist in schwierigen Situationen ein Zuschuss zu den Investitionskosten, etwa für das Geschäftsgebäude, sinnvoll.“
Das „China-Märchen“
Eine interessante Facette der Debatte ist die Preisbereitschaft der Niederösterreicher, für lokale Produkte mehr zu zahlen – 82 Prozent sind dazu bereit. Ungersbäck äußert, dass es nicht gerechtfertigt sei, pauschal zu behaupten, dass regionale Produkte teurer sind. Die Frage, warum importierte Schuhe aus China meist wesentlich günstiger sind als österreichische Marken, wird direkt angesprochen:
„Warum verdienen Mitarbeiter in China einen Bruchteil von Mitarbeitern in Österreich? Sachlich gesagt, kann man die gesamte Kostenstruktur in den verschiedenen Wirtschaftsräumen nicht vergleichen. Grundsätzlich ist das auch gut so, weil die globale Arbeitsteilung einen erheblichen Anteil an unser aller Wohlstand hat.“
Die Diskussion um die Preise zeigt, dass Betriebe in verschiedenen Regionen unterschiedlich wirtschaften. Die lokale Wirtschaft bleibt ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft und ist maßgeblich für die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen.
Durch bewussten Konsum im lokalen Handel können Gemeinschaften gestärkt und Arbeitsplätze gesichert werden. Der Appell bleibt, lokale Geschäfte nicht nur bei besonderen Anlässen, sondern regelmäßig zu unterstützen.
In der kommenden Woche wird der Fokus auf Themen wie den Wirtschaftsstandort und Bodenversiegelung in Niederösterreich gelegt.


