Österreichs Emissionen steigen 2025 erneut an: Warnung vor Klima-Politikversäumnissen

Dezember 19, 2025 13:27
Österreichs Emissionen steigen 2025 erneut an: Warnung vor Klima-Politikversäumnissen

Wende in der Klimapolitik: Prognose für 2025 zeigt signifikanten Anstieg der Treibhausgasemissionen. Forschende der Universität Graz warnen vor unzureichenden politischen Maßnahmen und wetterbedingten Effekten. Darüber berichtet Welt Stimme.

STEIERMARK/GRAZ. Österreich sieht sich im Jahr 2025 mit einem Anstieg der Treibhausgasemissionen konfrontiert, nach mehreren Jahren des Rückgangs. Laut einer aktuellen Prognose des Wegener Centers der Universität Graz wuchsen die Treibhausgasemissionen um etwa 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Verantwortlich dafür sind sowohl unzureichende Klimaschutzmaßnahmen als auch kühlere Wintermonate, die den Erdgasverbrauch erhöht haben.

Trend gebrochen: Österreichs Emissionen steigen wieder

Seit 2021 verzeichnete Österreich kontinuierlich fallende Emissionen, dieser Trend wurde jedoch nun unterbrochen. Auf Basis der bis Oktober 2025 verfügbaren Daten zu Erdgas, Erdöl und weiteren Energiequellen haben die Klimaforscher Gottfried Kirchengast und Stefan Schleicher eine vorläufige Prognose erstellt, die den Anstieg der Treibhausgasemissionen für 2025 verdeutlicht.

„Nach unseren Berechnungen wird der Ausstoß, gemessen in Tonnen CO₂-Äquivalent, heuer um rund 2,5 Prozent höher sein als im Vorjahr“, so Kirchengast. Dies entsprechen zusätzlichen 1,7 Millionen Tonnen Emissionen, wodurch die im Jahr 2024 gegenüber 2023 erreichte Reduktion zunichtegemacht wird. Die Unsicherheit der Prognose liegt bei plus/minus zwei Prozent.

CO2-Emissionen: Das sind die größten Treiber

Die Ursachen für diesen Anstieg sind laut den Forschenden sowohl politisch als auch strukturell bedingt. Kirchengast erläutert, dass das nachlassende Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie unzureichende Fortschritte im Verkehrssektor primär für diese Entwicklung verantwortlich sind. Zudem trugen kühlere Wintermonate mit vermehrten Heizgradtagen zur Erhöhung des Erdgasverbrauchs bei.

Besonders alarmierend sei die Entwicklung im Flugverkehr. Die Emissionen in diesem Bereich stiegen 2025 auf über sechs Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent, was mittlerweile ein Drittel der Emissionen des gesamten Verkehrssektors darstellt, berichtet der Forscher.

Österreich verfügt nach wie vor nicht über ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Zielen zur Emissionsreduktion. Kirchengast betont, dass diese Lücke spürbare Folgen hat. Der Klimaschutz sei ins Stocken geraten, obwohl die Forschung klar belege, dass Verzögerungen hohe Schäden und Milliardenkosten verursachen. „Das erfordert dringenden politischen Handlungsbedarf“, so der Klimaforscher.

1,5-Grad-Grenze rückt gefährlich nahe

Parallel zu nationalen Entwicklungen weisen die Grazer Forschenden auch auf die globale Dimension hin. Gemeinsam mit seinem Dissertanten Moritz Pichler hat Kirchengast eine Prognose erstellt, die zeigt, dass die globale Erwärmung bereits sehr nahe am 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens liegt: „Unsere Prognose auf Basis der weltweiten Daten bis November 2025 zeigt einen Temperaturanstieg von 1,48 Grad Celsius im langfristigen Mittel.“ Nur eine drastische Reduktion der Emissionen könne diese Entwicklung bremsen und ein konsequenter Klimaschutz biete gleichzeitig Chancen für eine zukunftsfähige Wirtschaft.

„Wir brauchen ein aktives Klimaschutz-Management auf allen Ebenen. Das reicht von gesetzlich verankerten Rahmenzielen über entsprechende Vorgaben und Anreize für Unternehmen bis hin zu einem klimafreundlichen Lebensstil in unserem persönlichen Bereich.“
Gottfried Kirchengast, Klimaforscher am Wegener Center

Aktuelle Daten zu Emissionen, Temperatur und Klimaszenarien stellt das Wegener Center im öffentlich zugänglichen Webportal „Graz Climate Change Indicators – ClimateTracer“ bereit.

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