Koordiniertes Vorgehen gegen die Rebzikade im Burgenland
Die Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner hat ein koordiniertes Vorgehen gegen die Amerikanische Rebzikade im Burgenland angekündigt. Dabei wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Land, der Landwirtschaftskammer, den Bezirkshauptmannschaften und dem Pflanzenschutzdienst angestrebt. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die Flavescence dorée, auch bekannt als „Goldgelbe Vergilbung der Rebe“, stellt eine ernst zu nehmende Bedrohung für den burgenländischen Weinbau dar. Als Überträger dieser gefährlichen Quarantänekrankheit wird die Amerikanische Rebzikade identifiziert, deren Population in den Weinbaugebieten des Südburgenlands deutlich zugenommen hat.
Da eine direkte Bekämpfung des Erregers nicht möglich ist, liegt der Fokus der Maßnahmen auf der Eindämmung des Überträgers und der konsequenten Entfernung infizierter Rebstöcke. „Wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst und setzen auf ein abgestimmtes, entschlossenes Vorgehen aller relevanten Stellen im Land“, betonten Haider-Wallner und Nikolaus Berlakovich, Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland.
Übertragung der Krankheit und erste Maßnahmen
Die Amerikanische Rebzikade wurde in Österreich erstmals im Jahr 2004 in der Südoststeiermark nachgewiesen, während der erste Ausbruch der Flavescence dorée 2009 in der Gemeinde Tieschen dokumentiert wurde. Im Burgenland wurde die Erkrankung 2015 durch Labortests bestätigt. Seither wird der Verlauf der Krankheit systematisch überwacht, Verdachtsfälle dokumentiert und betroffene Rebstöcke entfernt.
Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Burgenland sowie den Bezirkshauptmannschaften und dem Pflanzenschutzdienst wurde ein koordiniertes Maßnahmenpaket erstellt, das derzeit erneut in die Praxis umgesetzt wird. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen eine Ausbreitung der Krankheit verhindern und die burgenländischen Reben schützen. Das kann nur mit einem gemeinsamen, lückenlosen Vorgehen gelingen – und dieses setzen wir jetzt konsequent um“, so Haider-Wallner.
Sofortige Maßnahmen in betroffenen Regionen
In besonders betroffenen Weinbaugebieten wie dem Csaterberg, Eisenberg, Winten, Gaas, Heiligenkreuz, Eltendorf, Lutzmannsburg und Deutschkreutz wurden Sofortmaßnahmen initiiert. Dazu gehören intensive Begehungen der Weingärten, Sichtkontrollen sowie begleitende Schulungen und Beratungen durch den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer.
Infizierte Rebstöcke werden mit dem Wurzelstock entfernt und fachgerecht gerodet. Zudem erfolgt ein Monitoring der Rebzikade mittels Gelbtafeln, um ein frühzeitiges Erkennen der Überträger zu gewährleisten. „Unsere Beraterinnen und Berater in der Landwirtschaftskammer stehen im engen Austausch mit den Winzerinnen und Winzern. Denn eines ist klar: Wir wollen, dass die Winzerinnen und Winzer ihre Weingärten und damit ihre Existenzgrundlage nicht verlieren“, erklärt Berlakovich.
Früherkennung und die Verantwortung der Winzer
Die rasche Erkennung möglicher Krankheitsherde ist für die betroffenen Winzer entscheidend. Erste Anzeichen sind eine frühzeitige Verfärbung der Blätter: Bei Rotweinsorten färben sich die Blätter leuchtend rot, während die Blätter von Weißweinsorten vergilben. Ein Abgleich mit dem offiziellen Symptomkatalog ist hilfreich für die sichere Bestimmung der betroffenen Pflanzen.
„Wir appellieren an alle Weinbäuerinnen und Weinbauern, ihre Weingärten regelmäßig auf Symptome zu kontrollieren. Nur durch frühe Erkennung und schnelles Handeln können wir die Krankheit eindämmen“, betonen Berlakovich und Haider-Wallner.
Erfahrungen eines betroffenen Winzers
Rainer Stubits, ein Winzer aus Harmisch, berichtet: „Wir haben am Csaterberg in unseren Weingärten sofortige Maßnahmen ergriffen und viele Rebstöcke gerodet. Leider nehmen einige Winzer am Csaterberg die Situation nicht ernst.“ Er weist darauf hin, dass die Rebzikade sich alleine durch den Wind über große Strecken verbreiten kann. „Deshalb haben wir vier Mitarbeiter angestellt, um unsere Weingärten zu kontrollieren und gründlich zu pflegen.“
„Wenn die Krankheit nicht mit allen Kräften bekämpft wird, können wir bald ein ‚Rebzikadenfest‘ feiern, aber ohne Weingärten, weil diese dann nicht mehr existieren werden.”
Rainer Stubits, Winzer am Csaterberg
Stubits fordert zudem, dass auch die Behörden aktiv werden, indem sie nicht nur Maßnahmen erlassen, sondern diese auch kontrollieren und gegebenenfalls sanktionieren. „In Deutsch Schützen haben sich einige Winzer zusammengetan, um die Rebzikade zu bekämpfen. Auch Privatpersonen mit eigenen Rebstöcken müssen handeln und kranke Pflanzen entfernen, um die umliegenden Weingärten zu schützen“, betont er.


