Rieder Experten diskutieren Möglichkeiten zur Internationalisierung und Exportförderung

Feber 12, 2026 10:40
Rieder Experten diskutieren Möglichkeiten zur Internationalisierung und Exportförderung

Auf Einladung der Wirtschaftskammer Ried diskutierten Experten der Region am 10. Februar über Exportstrategien, die Rekrutierung internationaler Fachkräfte und den Mehrwert der globalen Vernetzung. Darüber berichtet Welt Stimme.

RIED. Unter dem Motto „Global denken – Lokal wachsen“ verfolgt die Wirtschaftskammer Ried aktiv die Internationalisierung der lokalen Wirtschaft. Sie unterstützt Unternehmen im Bezirk bei Exportinitiativen, Markteintritten und dem Aufbau internationaler Netzwerke durch maßgeschneiderte Beratungsangebote und Veranstaltungen. Eine solche Veranstaltung fand am 10. Februar in der WKO Ried statt.

„Sollten nicht zu pessimistisch sein“

Nach der Begrüßung durch WKO-Obmann Benjamin Salhofer trat Florian Zeppetzauer, Leiter des Export Centers OÖ, mit seinem Vortrag „Die Welt in Bewegung – und die Chancen für unsere heimischen Unternehmen“ auf. Zeppetzauer stellte fest, dass ein Drittel der in Oberösterreich produzierten Waren ins Ausland exportiert wird, hauptsächlich nach Deutschland, insbesondere nach Bayern. Oberösterreich bleibt somit das exportstärkste Bundesland in Österreich. Seit dem EU-Beitritt hat sich der Warenexport verfünffacht, obwohl aktuell Rückgänge zu verzeichnen sind. „Wir erleben zwar schwierige Zeiten, aber die Situation ist nicht katastrophal. Wir sollten nicht zu pessimistisch sein, denn das hat noch niemanden aus einer Krise gebracht“, so Zeppetzauer. Er äußerte zuversichtlich, dass es spätestens 2027 weltweit wieder zu einem Wirtschaftswachstum kommen sollte.

150 – 90 – 60

Anschließend präsentierte WKO-Bezirksstellenleiter Christoph Wiesner die globale Vernetzung des Bezirkes Ried: Die Unternehmen in Ried exportieren in über 150 Ländern und betreiben 90 Zweigniederlassungen in 60 Ländern, insbesondere in Deutschland.

„Ein steiniger Weg“

Otto Leodolter, Geschäftsführer von Löffler, betonte, dass ein erfolgreicher Marktzugang umfangreiche Marktkenntnis und die richtige Besetzung erfordere. Marktanalysen, Mitbewerberanalysen sowie fundiertes Wissen über Vertriebsstrukturen und Preise seien unerlässlich für den erfolgreichen Markteintritt. Seinen Unternehmenserfolg beschreibt Leodolter so: „Wenn es nicht funktioniert – und das merkt man nach drei Jahren – muss man die Handbremse ziehen!“ Die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen haben auch Löffler getroffen, dessen Exportquote bei 52 Prozent liegt und der seit neun Jahren einen zweiten Produktionsstandort in Bulgarien hat. Der Umsatz ist von 33,99 Millionen Euro im Jahr 2022/23 auf 24,82 Millionen Euro im Jahr 2024/25 gesunken. „Die Stimmung am Markt ist defensiv, und das Geschäft ist sehr verhalten“, sagt Leodolter. Sein Fazit: „Der Weg vom Innviertel in die Welt ist bei Löffler ein Erfolgsweg, aber auch ein steiniger!“

Schule mit Vorreiterrolle

Markus Leitner, Professor am Gymnasium Ried und Koordinator für den bilingualen Schwerpunkt, erklärte, wie Internationalisierung bereits im Klassenzimmer beginnen kann. 2021 startete man mit einer einzigen bilingualen Klasse, dank des Engagements engagierter Lehrer und der Initiative HotSpot Innviertel. Heute gibt es in allen acht Schulstufen eine Klasse, in der auf Deutsch und Englisch unterrichtet wird, und die in beiden Sprachen auf Muttersprachenniveau maturiert. „Die Nachahmungseffekte sind jetzt groß, was uns sehr freut. Wir werden häufig von anderen Schulen nach Rat gefragt“, so Leitner. Er ist überzeugt: In zehn bis 15 Jahren wird bilingualer Unterricht an vielen Schulen zur Norm werden.

Von Brasilien nach St. Martin

Ana Laura Santos Francisco berichtete von ihren Herausforderungen als Erwachsene, die in einem neuen Land Fuß fassen möchte. Vor fast vier Jahren zog sie mit ihrer Familie nach St. Martin, um im Personalbereich bei FACC zu arbeiten. Die größten Herausforderungen waren die deutsche Sprache und der Innviertler Dialekt sowie alltägliche Angelegenheiten wie Führerschein oder Kindergartenplatz. „Ich wusste immer: Wenn ich Hilfe benötige, kann ich Maria Dietz anrufen. Sie hat immer eine Lösung gefunden“, sagte Santos.

Umfangreiche Unterstützung

Maria Dietz vom Verein „Initiative Lebensraum Innviertel“ ist für internationale Fachkräfte zuständig und unterstützt sie während des Onboarding-Prozesses. „Als ich vor 13 Jahren angefangen habe, gab es nicht einmal in allen Landeshauptstädten eine solche Servicestelle. Das Angebot ist in der Region Innviertel einzigartig!“ Auch Bernhard Deschberger aus Senftenbach, der für Business Upper Austria arbeitet, teilt seine Erfahrungen mit der Rekrutierung und Bindung internationaler Mitarbeiter. In seinem Vortrag gab er Einblicke in die Angebote von „Come2 Upper Austria“. Elisabeth Czachacy stellte ebenfalls die Dienstleistungen des Exportcenters der WKO vor, die von Veranstaltungen zu Zollfragen und Förderungen bis hin zur „Export Academy“ reichen.

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