Salzburg AG betont Vielfalt als strategischen Erfolgsfaktor beim Jahresauftakt der Charta der Vielfalt

Feber 20, 2026 12:57
Salzburg AG betont Vielfalt als strategischen Erfolgsfaktor beim Jahresauftakt der Charta der Vielfalt

Der demografische Wandel verändert Arbeitsmärkte, Belegschaften und Führungsanforderungen tiefgreifend. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, mit alternden Teams, Fachkräftemangel und zunehmend vielfältigen Lebensrealitäten professionell umzugehen. Beim Jahresauftakt der Charta der Vielfalt Österreich, der erstmals in Salzburg stattfand, setzte die Salzburg AG ein deutliches Zeichen. Darüber berichtet Welt Stimme.

SALZBURG. Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Inklusion sollen nicht bloß Teil der Unternehmenskultur sein, sondern strategisch im Kerngeschäft verankert werden. Rund 80 geladene Gäste aus Wirtschaft, Personalwesen und Medien diskutierten über konkrete Wege, Diversity, Equity & Inklusion (DE&I) wirksam umzusetzen. Für die Salzburg AG ist klar: Es geht um Zukunftssicherung.

„Diversity, Equity und Inklusion müssen in unseren Prozessen, Führungsgrundsätzen und Arbeitsbedingungen spürbar verankert sein. Wenn wir unterschiedliche Perspektiven aktiv einbinden und Barrieren konsequent abbauen, stärken wir nicht nur unsere Unternehmenskultur, sondern auch unsere Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und Wirtschaftlichkeit“, betont Vorstand Herwig Struber.

Vom Programm zur Linienverantwortung

Die Salzburg AG hat die Charta der Vielfalt 2024 unterzeichnet. Für Daniela Kinz, DE&I-Botschafterin des Unternehmens, war das ein logischer nächster Schritt nach internen Initiativen der vergangenen Jahre. Entscheidend sei jedoch die strukturelle Weiterentwicklung gewesen.

„Wir haben keinen gesellschaftlichen Auftrag, sondern einen klaren unternehmerischen: unsere Betriebs- und Wettbewerbssicherheit langfristig zu gewährleisten“, sagt Kinz im Gespräch.

DE&I sei daher nicht länger ein isoliertes Kulturprojekt, sondern werde systematisch in Linien- und Managementverantwortung überführt. Führungskräfte, Abteilungsleitungen und Teams tragen gemeinsam Verantwortung. „Es braucht Rahmenbedingungen, aber es braucht auch Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden“, so Kinz.

Altersdiversität im Fokus

Ein zentrales Handlungsfeld ist die Altersdiversität. Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung führen dazu, dass Beschäftigte länger im Erwerbsleben bleiben. Gleichzeitig treffen mehrere Altersgruppen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten aufeinander.

Prof. Dr. Stephan Alexander Böhm von der Universität St. Gallen forscht seit über einem Jahrzehnt zu Diversität am Arbeitsplatz. Er warnt vor vereinfachenden Generationenbildern.

„Wissenschaftlich ist an vielen Generationenstereotypen wenig dran. Entscheidend ist, inklusive Praktiken zu schaffen, die für alle Altersgruppen funktionieren, nicht Sonderprogramme für einzelne Gruppen“, so Prof. Böhm von der Universität St. Gallen.

Studien zeigen laut Böhm, dass altersdiverse Teams besonders leistungsfähig sein können, sofern Führung bewusst inklusiv gestaltet wird. Zentral sei es, Zugehörigkeit, Authentizität und faire Entwicklungschancen messbar zu fördern. Mit dem sogenannten St. Gallen Inklusion Index lasse sich Inklusion als Erfolgsfaktor systematisch erfassen.

Lebensphasen orientierte Arbeitsorganisation

Die Salzburg AG setzt daher bewusst auf lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle statt auf starres Generationenmanagement. Ziel ist es, Mitarbeitende in unterschiedlichen Lebenssituationen gezielt zu unterstützen, vom Berufseinstieg über Elternschaft bis hin zur Pflege von Angehörigen. Konkret wurden unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt oder ausgebaut:

  • strukturierte Onboarding-Programme
  • verpflichtende Inhalte zu inklusiver Führung in der Führungskräfteentwicklung
  • standardisierte Karenz- und Wiedereinstiegsprozesse
  • Kooperationen im Bereich Pflegeberatung
  • Angebote zur Weiterbildung auch für erfahrene Mitarbeitende
  • barrierearme und verständliche Kundenkommunikation

Gerade das Thema Pflege von Angehörigen gewinnt an Bedeutung. Hier bietet das Unternehmen Informationsangebote, Kooperationen und flexible Arbeitszeitmodelle an. Ziel ist es, Belastungssituationen abzufedern und gleichzeitig die Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.

Führung als Schlüssel

Ein wesentliches Ergebnis der Forschung: Führung hat erheblichen Einfluss auf die Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit von Teams. In Studien konnte gezeigt werden, dass gesundheitsorientierte Führung Krankenstände signifikant reduzieren kann.

Für Böhm ist daher klar: „DE&I kann keine einzelne Stabsstelle lösen. Es muss ins tägliche Führungsverhalten kaskadieren.“

Arbeitgeberanspruch mit Signalwirkung

Mit dem gestarteten NESTORGOLD-Zertifizierungsprozess und mehrfachen Auszeichnungen im Bereich Vereinbarkeit unterstreicht die Salzburg AG ihren Anspruch, als Arbeitgeber Maßstäbe zu setzen. Die Ambition ist klar formuliert: Man wolle zu den besten Arbeitgebern des Landes zählen.

Der Jahresauftakt der Charta der Vielfalt in Salzburg war damit mehr als eine Netzwerkveranstaltung. Er verdeutlichte, dass Vielfalt im demografischen Wandel kein „Soft Topic“ ist, sondern ein betriebswirtschaftlicher Erfolgsfaktor.

Oder wie es Daniela Kinz zusammenfasst: „Vielfalt war lange ein Kulturthema. Entscheidend ist, dass wir sie jetzt systematisch in unsere Strukturen und Systeme integrieren. Nur dann wird sie wirklich wirksam.“

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