Das über 230 Jahre alte Gebäude in der Freundgasse 9 in Wien soll bald umfassend saniert werden. Die neue Eigentümerin hat beantragt, das Erdgeschoss künftig für Kurzzeitvermietungen zu nutzen, was im Bezirk für Diskussionen sorgt.
WIEN/WIEDEN. Das Sanierungsbedürfnis des Hauses in der Freundgasse 9 ist offensichtlich. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit Holzbrettern verschlossen, und der Bereich vor dem Gebäude ist gesperrt. Die Fassade ist verunreinigt und bröckelt, und das Dach weist zahlreiche Schäden auf.
Seit etwa 230 Jahren steht das Gebäude, das sich in einer Denkmal- und Schutzzone befindet. Der aktuelle Zustand resultiert aus drei Jahrzehnten Vernachlässigung. Vor etwa zwei Jahren wurde die Immobilie vererbt, und die neue Besitzerin Marceline Martischnig plant nun umfangreiche Maßnahmen, die die Bezirksvertretung in Wieden mobilisiert haben.
Kurzzeitvermietung im Erdgeschoss
Nach jahrzehntelanger Unterlassung sorgt die Erbin für Bewegung im Gebäude. Im März 2024 wurde das Haus entrümpelt und für eine Sanierung vorbereitet. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Umwidmung eines Teils des Gebäudes zur Nutzung als Beherbergungsstätten für Kurzzeitvermietungen.
Geplant ist die Schaffung von vier Wohnungen im Erdgeschoss, während im restlichen Gebäude sieben weitere Einheiten verbleiben sollen. Laut der Baupolizei wurde der Antrag auf Umwidmung im April 2025 gestellt.
Zusätzlich zur Umwidmung sind weitere Maßnahmen vorgesehen, darunter die Installation eines neuen Aufzugs im Innenhof und der Ausbau des Dachgeschosses. Derzeit befindet sich der Antrag in Bearbeitung. Der Bezirk zeigt sich erfreut über die bevorstehende Sanierung des maroden Gebäudes, jedoch gibt es Bedenken insbesondere von Seiten der KPÖ/Links und der Grünen bezüglich der geplanten Kurzzeitvermietungen: „Es ist befremdlich, dass der lange Sanierungsverzug als Argument herangezogen wird, um profitorientierte Airbnb-Apartments zu schaffen,“ kommentiert Pascal Riepl, der stellvertretende Bezirksvorsteher der Grünen.
Im Vergleich dazu wurde das benachbarte Gebäude in der Freundgasse 11, das ebenfalls der Familie gehört, bereits vor Jahren saniert. Die Kritiker der aktuellen Pläne argumentieren, dass die Notwendigkeit für Kurzzeitvermietungen nicht damit gerechtfertigt werden kann, dass zuvor keine Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wurden.
„Erdgeschoss wäre zu düster“
Marceline Martischnig erklärt, dass eine alternative Nutzung des Erdgeschosses aufgrund des Lichtmangels nicht möglich sei: „Wir haben ein Gutachten erstellen lassen, das klarstellt, dass es in den unteren Stockwerken zu düster für eine normale Vermietung wäre.“ Sie findet die Aufregung der Bezirksbewohner unverständlich: „Bei der Präsentation im Mai haben sich alle noch darüber gefreut, dass das Haus endlich saniert wird.“ Riepl widerspricht jedoch: „Das würde nur bedeuten, dass die Wohnungen zu einem niedrigeren Preis angeboten werden müssten, was für Studierende, die in unmittelbarer Nähe zur Technischen Universität wohnen möchten, vorteilhaft wäre.“
Die Klubvorsitzende der KPÖ/Links, Amela Pokorski, verfolgt das Projekt ebenfalls intensiv und hat mehrfach Anfragen und Anträge in der Bezirksvertretung gestellt. „Der verloren gegangene Wohnraum, der ausschließlich durch die Vernachlässigung der Eigentümer verloren ging, muss wieder regulärer Wohnungsbestand werden,“ betont sie in einem Antrag im Juni. Sie fordert zudem, dass im Bezirk die Anzahl der Kurzzeitvermietungen reguliert wird. Die Baupolizei hat bei der Genehmigung der Umwidmung kein Mitspracherecht für den Bezirk, sofern die Eigentümerin die Ausnahmeregelungen für Kurzzeitvermietungen im Wohnbereich einhält. Somit kann das Projekt, unabhängig von den Bedenken der Grünen und der KPÖ/Links, vorangetrieben werden.


