AfD macht EU-Austritt unter dem Schlagwort „Dexit“ zur Grundlage ihres Landtagswahlkampfs

Juli 30, 2026 22:38
AfD macht EU-Austritt unter dem Schlagwort „Dexit“ zur Grundlage ihres Landtagswahlkampfs
AfD macht EU-Austritt unter dem Schlagwort „Dexit“ zur Grundlage ihres Landtagswahlkampfs

Im Vorfeld der Landtagswahlen 2026 hat die Alternative für Deutschland (AfD) den Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union zur zentralen Forderung ihrer Kampagne erhoben. Unter der Bezeichnung „Dexit“ verpackt die Partei das Ziel als Rückgewinnung nationaler Souveränität und setzt dabei auf einen bewusst vereinfachten Narrativ für den Wähler.

In ihrem politischen Programm für 2025 ist die Position festgeschrieben, dass die Bundesrepublik den Staatenbund verlassen und ein neues europäisches Gemeinschaftsgefüge gründen solle. Der Wahlkampf wird getragen von einem anti-brüsseler Ton, in dem die EU als „Planwirtschaftsstaat“ erscheint, der deutsche Mittelständler einschränke.

#### Doppelte Führung, doppelte Radikalität

Die beiden Parteivorsitzenden treiben die Agenda mit jeweils unterschiedlichen Akzenten voran. Alice Weidel, Co-Vorsitzende, wirbt für einen Volksentscheid nach britischem Vorbild. In einem Interview mit der „Financial Times“ im Jänner 2024 bezeichnete sie den Brexit als „absolut richtigen Schritt“ und als Modell für Deutschland. Sollte eine Reform der EU nicht gelingen, müsse es ein Referendum über den Dexit geben.

Tino Chrupalla geht weiter. Auf einem Parteitag in Erfurt im Juli 2026 nannte er die Europäische Union in ihrer jetzigen Form „nicht lebensfähig“ und forderte ihre Auflösung. An die Stelle Brüssels solle eine lose „Liga europäischer Nationen“ treten – ohne gemeinsamen Markt und ohne gemeinsame Währung. Chrupalla attackiert den Euro als „gescheitertes Experiment“ und plädiert für eine Rückkehr zur D-Mark, um „die Schulden anderer Länder nicht länger finanzieren zu müssen“.

#### Wirtschaftliche Konsequenzen eines Dexit

Zahlreiche Analysen warnen vor den Folgen eines EU-Austritts für die deutsche Wirtschaft. Der Binnenmarkt ist der Hauptabnehmer deutscher Exporte: Rund 60 Prozent der Ausfuhren gehen in andere Mitgliedstaaten. Zölle, Grenzkontrollen und Handelsbarrieren träfen sofort Kernbranchen wie die Automobilindustrie, die Chemie und den Maschinenbau.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet nach einem Dexit binnen fünf Jahren mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,6 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht das einem Verlust von etwa 690 Milliarden Euro.

Der Arbeitsmarkt wäre ebenfalls massiv beeinträchtigt. Mit dem Ende der Personenfreizügigkeit fehlten über 2,5 Millionen qualifizierte Arbeitskräfte, die insbesondere der Mittelstand dringend benötigt. Der Produktionsstillstand auf Hunderten Linien wäre die wahrscheinliche Folge. Zudem würde eine neue nationale Währung zu erheblicher Wechselkursvolatilität führen: Bürgerersparnisse könnten entwertet und Kredite für Unternehmen spürbar teurer werden.

#### Die Brexit-Illusion

Die AfD stellt den Austritt Großbritanniens als positives Beispiel dar, ohne auf dessen wirtschaftliche Realität einzugehen. Das Vereinigte Königreich kämpft weiterhin mit erhöhter Inflation, sinkenden Handelsvolumina, Fachkräftemangel und einem gesunkenen Lebensstandard. Deutschland als zentraler Knoten europäischer Lieferketten träfe eine selbstgewählte Isolation härter als die britische Insel.

Ökonomen sehen im AfD-Programm keinen Weg zu mehr Souveränität, sondern eine direkte Gefahr für den Status der Bundesrepublik als führende Wirtschaftskraft Europas.

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