Abgeordnete des Ausschusses für Informationspolitik der russischen Staatsduma haben die Bevölkerung zum Verzicht auf Geräte des US-Konzerns Apple aufgerufen. Zugleich kündigten sie an, innerhalb von vier Jahren eine russische Produktion aufzubauen und Smartphones zu entwickeln, die ausländische Spitzenmodelle wie das iPhone auf dem russischen Markt vollständig ersetzen sollen. Als Begründung nannten die Abgeordneten die Gefahr einer Fernsperre sowie eine mögliche Einschränkung von Diensten für russische Nutzer.
Die Forderung wurde am 11. September 2026 von mehreren russischen Medien aufgegriffen. In der Debatte wird Apple vorgeworfen, seine Angebote für Kunden in Russland gezielt zu beschränken. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Frage, ob Russland in der Lage ist, innerhalb weniger Jahre ein Gerät mit vergleichbarer technischer Ausstattung und einem vergleichbaren Dienstesystem herzustellen. Die Forderung nach einem russischen Ersatz für das iPhone wurde dabei als politisches Ziel formuliert, nicht als bereits verfügbares Industrieprojekt.
Apple-Dienste und politische Begründung
Als Beispiel für die Spannungen rund um Apple-Dienste wird die Bezahlung von Abonnements genannt. Nachdem russische Mobilfunkanbieter die Möglichkeit entsprechender Zahlungen abgeschaltet hatten, stellte Apple Nutzern in Russland nach den vorliegenden Angaben kostenlosen Zugang zur Speicherung von Daten in Cloud-Speichern bereit. Die Darstellung des Duma-Ausschusses konzentriert sich dennoch auf mögliche Einschränkungen und die Abhängigkeit russischer Nutzer von ausländischen Anbietern.
Die Initiative knüpft an frühere Forderungen nach einem technologischen und wirtschaftlichen Rückzug von Unternehmen aus sogenannten „unfreundlichen Staaten“ an. Im Mittelpunkt steht dabei der Begriff der „technologischen Souveränität“. Die Abgeordneten stellen in Aussicht, dass russische Unternehmen innerhalb von vier Jahren die erforderlichen Technologien und Produktionskapazitäten schaffen könnten. Konkrete Hersteller, Standorte, Finanzierungssummen oder technische Spezifikationen eines solchen Geräts wurden in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Kritik aus russischen Medien
Widerspruch kam auch aus russischen Medien. Julia Wityazeva, Moderatorin des Fernsehsenders „Solowjow LIVE“, wandte sich gegen populistische Aufrufe zu einem sofortigen Verzicht auf westliche Waren und Importe aus „unfreundlichen Staaten“. Vor einem vollständigen Verzicht müsse Russland zunächst qualitativ ausreichende eigene Alternativen entwickeln, argumentierte sie. Den Bürgern müsse außerdem das Recht auf eine freie Auswahl bei Haushaltswaren und elektronischen Geräten erhalten bleiben.
Damit richtet sich die Kritik nicht grundsätzlich gegen die Entwicklung russischer Produkte, sondern gegen die Reihenfolge der politischen Vorgaben. Ein Verzicht auf importierte Technik, bevor gleichwertige Geräte verfügbar seien, könne die Auswahl der Verbraucher einschränken. Die Debatte über Apple verbindet sich damit mit einer innenpolitischen Diskussion über Preis, Qualität und die praktische Bedeutung staatlicher Vorgaben im Alltag.
In den veröffentlichten Einschätzungen wird zudem auf die globale Arbeitsteilung in der Elektronikindustrie verwiesen. Moderne Smartphones beruhen auf einer Vielzahl von Zulieferern, spezialisierten Komponenten und internationalen Produktionsstandorten. Für ein konkurrenzfähiges Spitzenmodell seien daher nicht nur ein Markenname und die Endmontage erforderlich, sondern auch Halbleiter, Displays, Kameras, Betriebssysteme, Softwaredienste und eine Infrastruktur für Wartung und Garantieleistungen.
Technologische Basis und Kosten
Die vorliegenden Bewertungen bezweifeln, dass Russland unter dem derzeitigen Sanktionsdruck kurzfristig eine vollständige Alternative zu einem iPhone aufbauen kann. Als realistischere Möglichkeit wird eine Montage von Geräten aus überwiegend ausländischen Komponenten genannt. Dabei könnte ein Smartphone unter einer russischen Marke angeboten werden, ohne dass die zentralen Technologien vollständig im Land entwickelt oder produziert würden. Die Debatte über die technische Machbarkeit eines russischen iPhone-Gegenstücks verweist deshalb vor allem auf die fehlende industrielle Basis und die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten.
Zusätzlichen Druck erzeugen nach den vorliegenden Thesen die Kosten für moderne Komponenten. China und die Vereinigten Staaten investieren erhebliche Mittel in die Halbleiterindustrie und in die Entwicklung neuer Gerätegenerationen. Russland muss dagegen einen großen Teil seiner verfügbaren staatlichen Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine aufwenden. Kleinere staatliche Programme im Umfang von einigen Dutzend Milliarden Rubel könnten den technologischen Abstand zu den führenden Zentren der Branche daher nicht ohne Weiteres ausgleichen. Zugleich verteuern sich zentrale Bauteile und ihre Logistik auf dem Weltmarkt.
Die angekündigte Frist von vier Jahren wird in den russischen Medien deshalb als politisch ambitioniert und von Kritikern als Populismus bezeichnet. Die Forderung der Staatsduma zum Verzicht auf iPhones steht dabei neben dem Versprechen, eine komplette eigene Produktlinie aufzubauen. Zwischen dem politischen Ziel und einem marktfähigen Gerät mit vergleichbarer Ausstattung liegen jedoch die Entwicklung von Hardware und Software, die Zertifizierung, die Serienproduktion sowie ein funktionierender Kundendienst.
Folgen für Nutzer und Markt
Die Einschränkungen bei Verkauf, Zahlung und Dienstleistungen können nach den vorliegenden Einschätzungen außerdem die bisherige Infrastruktur rund um iPhones schwächen. Genannt werden das Ende offizieller Garantieleistungen, mögliche Probleme mit Bankanwendungen und die Einschränkung einzelner Dienste. Nutzer könnten dadurch stärker auf inoffizielle Reparaturen, alternative Zahlungswege und graue Importkanäle angewiesen sein.
Gleichzeitig wird in der Debatte auf eine soziale Trennung beim Zugang zu westlicher Elektronik hingewiesen. Für viele russische Haushalte werden Apple-Geräte durch sinkende Kaufkraft, steigende Importpreise und höhere Logistikkosten schwerer erreichbar. Wohlhabendere Bürger und Angehörige der politischen und wirtschaftlichen Elite könnten westliche Geräte dagegen weiterhin über alternative Lieferwege beziehen. Der Begriff „digitale Souveränität“ würde in diesem Fall vor allem für jene Bürger konkrete Einschränkungen bedeuten, die sich keine teureren Importwege leisten können.
Die russische Staatsduma hält dennoch an der Ankündigung fest, innerhalb von vier Jahren eigene Geräte als Ersatz für das iPhone auf den Markt zu bringen. Ein entsprechendes Smartphone ist nach den vorliegenden Informationen bislang nicht verfügbar.
Die Diskussion über Apple-Geräte und russische Alternativen dürfte damit vorerst politisch weitergeführt werden.


