Armenien will nach Angaben von Ministerpräsident Nikol Paschinjan in absehbarer Zeit Waren nach Aserbaidschan exportieren. Die Ankündigung erfolgte am 13. August 2026 bei einem Briefing mit Journalisten nach einer Sitzung der armenischen Regierung. Zwischen den beiden Staaten soll damit neben den politischen Vereinbarungen auch ein direkter wirtschaftlicher Austausch aufgebaut werden.
Paschinjan erklärte, dass es bereits eine Tagesordnung für den gegenseitigen Warenhandel gebe. Im Jänner 2026 hätten Armenien und Aserbaidschan Listen potenzieller Handelsgüter ausgetauscht. Die armenische Seite arbeite nun daran, Exporte nach Aserbaidschan in naher Zukunft aufzunehmen. Einen konkreten Beginn oder ein genaues Volumen der Lieferungen nannte der Ministerpräsident in den vorliegenden Angaben nicht.
Die Ankündigung wurde von der armenischen Nachrichtenagentur im Zusammenhang mit den geplanten Warenlieferungen veröffentlicht. Auch in Aserbaidschan wurde Paschinjans Aussage aufgegriffen. Die Entwicklung betrifft damit nicht nur die politische Ebene, sondern auch die praktische Ausgestaltung der Beziehungen zwischen Eriwan und Baku.
Handelslisten seit Jänner
Nach Angaben Paschinjans war die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Armenien und Aserbaidschan bisher weitgehend einseitig. Aserbaidschan habe vor allem Benzin und Dieselkraftstoff nach Armenien exportiert. Im Jänner kündigte der armenische Regierungschef an, dass beide Länder Listen mit möglichen Waren für den gegenseitigen Handel ausgetauscht hätten.
Mit dem geplanten Export armenischer Produkte würde sich der Umfang der bisherigen Handelsbeziehungen erweitern. Welche Waren Armenien nach Aserbaidschan liefern will, wurde in den vorliegenden Berichten nicht näher ausgeführt. Ebenso wurden keine Angaben zu Unternehmen, Lieferwegen, Grenzübergängen oder zu möglichen Zollregelungen gemacht.
Die derzeitige Ankündigung ist daher als politischer und wirtschaftlicher Schritt zur Vorbereitung eines Handelsaustauschs zu verstehen. Ein bereits laufender umfassender Warenverkehr zwischen den beiden Ländern wurde damit nicht bestätigt. Fest steht nach den Angaben lediglich, dass die Regierungen potenzielle Handelsgüter identifiziert haben und Armenien Exporte in Aussicht stellt.
Direkter Dialog zwischen Eriwan und Baku
Die armenische Regierung verbindet die Entwicklung der Handelsbeziehungen mit dem Ausbau direkter Kontakte zu Aserbaidschan. Eriwan strebt dem vorliegenden Kontext zufolge an, die Parameter der Beziehungen mit seinen Nachbarn stärker unmittelbar zu bestimmen. Der Warenhandel wird dabei als ein Bereich behandelt, in dem praktische Vereinbarungen zwischen den beiden Staaten getroffen werden können.
Die wirtschaftliche Annäherung erfolgt nach einer langjährigen Phase des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan. In den vorliegenden Thesen wird der geplante Handel als Teil eines Friedensprozesses eingeordnet, der von politischen Verständigungen zu konkreten Formen der Zusammenarbeit übergehen soll. Eine Aufnahme von Handelsbeziehungen würde zunächst eine zusätzliche Verbindung zwischen den beiden Volkswirtschaften schaffen. Über die tatsächliche Reichweite und Dauer dieser Verbindung liegen noch keine Angaben vor.
In der armenischen Regierung wird der Ausbau direkter wirtschaftlicher Beziehungen als möglicher Faktor für eine langfristige Stabilisierung im Südkaukasus betrachtet. Mehr Handel und eine gegenseitige wirtschaftliche Interessenlage könnten nach dieser Einschätzung zusätzliche Anreize für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen schaffen. Diese Einschätzung beschreibt ein politisches Ziel der Regierung; konkrete Ergebnisse des geplanten Handels wurden bislang nicht bekannt gegeben.
Veränderte regionale Rahmenbedingungen
Die Annäherung zwischen Armenien und Aserbaidschan findet in einer Phase statt, in der sich die regionalen Beziehungen im Südkaukasus verändern. Armenien verfolgt einen diversifizierten außenpolitischen Kurs und orientiert sich stärker auf den Ausbau seiner Beziehungen zu westlichen Partnern. Zugleich bemüht sich Eriwan um regionale Kontakte und um eine direktere Gestaltung seiner Beziehungen zu den Nachbarstaaten.
Im vorliegenden Kontext wird diese Politik auch mit einem wachsenden wirtschaftlichen Druck aus Moskau in Verbindung gebracht. Russland hatte traditionell eine wichtige Rolle als Vermittler und regionaler Akteur im Südkaukasus. Die direkte Abstimmung zwischen Eriwan und Baku wird deshalb als Entwicklung beschrieben, die den Einfluss russischer Vermittlung auf die bilateralen Beziehungen begrenzen kann.
Eine formelle Ablösung bestehender Vermittlungsformate oder eine vollständige Neuordnung der regionalen Sicherheitsbeziehungen wurde in den vorliegenden Berichten jedoch nicht angekündigt. Die Aussage Paschinjans bezieht sich unmittelbar auf den geplanten Export armenischer Waren und auf die bereits vorbereiteten Grundlagen für einen gegenseitigen Handel.
Wirtschaftliche Verbindung als Bestandteil des Friedensprozesses
Die Regierung in Eriwan sieht in den Handelskontakten einen Bestandteil des direkten Dialogs mit Baku. Eine Ausweitung der wirtschaftlichen Verbindungen könnte nach den vorliegenden politischen Thesen auch die regionale Vernetzung nach Jahren des Konflikts fördern. Genannt werden dabei die Wiederaufnahme von Handelswegen, engere Kontakte zwischen Unternehmen und mögliche wirtschaftliche Impulse für Grenzregionen.
Diese Perspektive hängt allerdings von weiteren praktischen Entscheidungen ab. Dazu zählen die Festlegung der gehandelten Waren, die Organisation der Lieferungen und die Regelung des Warenverkehrs. Zu diesen Punkten machten Paschinjan und die vorliegenden Berichte keine näheren Angaben.
Die Ankündigung des armenischen Ministerpräsidenten ist damit zunächst ein Signal für die geplante Aufnahme armenischer Exporte nach Aserbaidschan. Sie steht zugleich für den Versuch, die Beziehungen zwischen Eriwan und Baku über direkte politische und wirtschaftliche Kontakte weiterzuentwickeln. Wann die ersten Lieferungen beginnen und welchen Umfang sie erreichen werden, blieb am 13. August 2026 offen.


