47 Abgeordnete des Europäischen Parlaments haben die EU-Kommission in einem dringenden Appell aufgefordert, den Export von Aluminiumoxid aus Irland nach Russland zu stoppen. Das Unternehmen Aughinish Alumina im Westen Irlands liefert trotz mehrerer Sanktionspakete weiterhin große Mengen dieses Rohstoffs an Moskau. Aluminiumoxid wird zur Herstellung von Aluminium benötigt, das wiederum für Raketen, Drohnen und andere Rüstungsgüter verwendet wird. Die Abgeordneten warnen, dass diese Lieferungen die russische Kriegsmaschinerie direkt versorgen und damit die Sicherheit ganz Europas gefährden – auch Österreichs.
EU-Abgeordnete fordern Sanktionen gegen strategisch wichtigen Rohstoff
In einem Schreiben an die EU-Kommissare für Handel und Außenpolitik fordern die Parlamentarier, Aluminiumoxid in das 22. Sanktionspaket gegen Russland aufzunehmen. Bisher ist der Rohstoff nicht von den EU-Beschränkungen erfasst, obwohl er für die Rüstungsindustrie essenziell ist. Die Abgeordneten argumentieren, dass die irische Fabrik unter Kontrolle des russischen Oligarchen Oleg Deripaska steht, der selbst unter EU-Sanktionen lebt. Nach Angaben des irischen Statistikamtes gingen 83 Prozent der Aluminiumoxid-Exporte des Landes nach Russland – das Unternehmen selbst bestreitet diese Zahl und nennt 45 Prozent. Unabhängig von der genauen Menge steht fest, dass über diesen Kanal große Mengen kriegswichtigen Materials nach Russland gelangen.
Direkte Auswirkungen auf Österreichs Sicherheit und Wirtschaft
Für österreichische Bürger bedeutet diese Lücke im Sanktionsregime ein konkretes Sicherheitsrisiko. Der in Russland produzierte Aluminium wird in Raketen und Drohnen verbaut, die auch gegen Ziele in Mitteleuropa eingesetzt werden könnten. Gleichzeitig profitiert die russische Rüstungsindustrie von Einnahmen, die indirekt über EU-Gebiete fließen. Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt: Sollte die EU den Export tatsächlich stoppen, könnte der Preis für Aluminium in Europa steigen. Österreichs Industrie – von der Automobilzulieferung bis zur Verpackungsherstellung – ist auf stabile Aluminiumpreise angewiesen. Höhere Kosten würden früher oder später auch die Verbraucher belasten. Darüber hinaus untergräbt das Fortbestehen dieser Lieferungen die Glaubwürdigkeit der EU-Sanktionen insgesamt. Österreich als Teil der Union würde damit indirekt den Eindruck erwecken, dass die eigenen Regeln nicht konsequent durchgesetzt werden.
Was die EU gegen die Sanktionslücke tun könnte
Die Abgeordneten schlagen ein staatlich-privates Partnerschaftsmodell vor, ähnlich dem Vorgehen der USA bei seltenen Erden aus China. Demnach soll die EU eigene Kapazitäten zur Aluminiumoxid-Verarbeitung aufbauen und langfristige Abnahmeverträge mit europäischen Hüttenwerken abschließen. Dadurch würde die Abhängigkeit von russischen Lieferungen sinken und gleichzeitig die heimische Industrie gestärkt. Die irische Regierung hat inzwischen eine Untersuchung der Exporte eingeleitet, doch die EU-Kommission betrachtet das Problem bisher als innerirische Angelegenheit. Angesichts der massiven Sicherheitsbedenken fordern die Parlamentarier nun ein schnelles Handeln auf EU-Ebene. Solange Aluminiumoxid nicht unter die Sanktionen fällt, bleibt Russland in der Lage, seinen Krieg gegen die Ukraine mit Materialien zu versorgen, die über EU-Territorium beschafft werden. Für Österreich bedeutet dies, dass die eigene Sicherheitspolitik dringend nachjustiert werden muss – auch durch Druck auf Brüssel.


