Wien überdenkt Preis der 365-Euro-Jahreskarte angesichts steigender Haushaltsdefizite

Juli 28, 2025 10:26
Wien überdenkt Preis der 365-Euro-Jahreskarte angesichts steigender Haushaltsdefizite

Im Jahr 2012 traf der damalige Bürgermeister Michael Häupl gemeinsam mit der Stadtregierung eine wegweisende Entscheidung: Wienerinnen und Wiener sollten für 365 Euro eine Jahreskarte für das dichte Verkehrsnetz der Wiener Linien erwerben können. Dies entspricht einem Euro pro Tag, was im österreichischen und insbesondere im europäischen Vergleich ein vergleichsweise günstiges Angebot darstellt.

In den 13 Jahren seitdem blieb der Preis von 365 Euro konstant, während andere Tarife wie die Vignette oder das Klimaticket erhöht wurden. Dieses Vorgehen war von politischen Überlegungen geprägt, um die Bevölkerung zu einem Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen und unpopuläre Entscheidungen vor Wahlen zu vermeiden.

Erhöhung der Jahreskarte könnte bevorstehen

Nach den jüngsten Wahlen in Wien gibt es jedoch Anzeichen dafür, dass der Preis für die Jahreskarte nicht länger fix ist. Gerüchten zufolge werden im Rahmen der Budgeterstellung für 2026 alle Einzelmaßnahmen geprüft, einschließlich der Jahreskartenpreise. Zwar halten sich Bürgermeister Michael Ludwig und Finanzstadträtin Barbara Novak (beide SPÖ) bisher bedeckt, doch in verschiedenen Interviews wurde eine Preiserhöhung nicht ausgeschlossen.

Die Jahreskarte belastet das Gemeindebudget erheblich. Berechnungen deuten darauf hin, dass die Stadt jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag für den eingefrorenen Preis der Jahreskarte aufbringen muss. Hätte man den Preis in den letzten 13 Jahren valorisiert, würde das Jahresticket aktuell 525,90 Euro kosten; ohne den Preisnachlass von 2012 wäre es sogar bei 645,49 Euro. Ein städtischer Vergleich zeigt, dass Wien das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für öffentliche Verkehrsmittel bietet, mit Kosten von 0,32 Euro pro Kilometer. Sollte eine Preiserhöhung notwendig werden, könnte diese moderat ausfallen und möglicherweise sozial abgemildert werden.

Budgetkürzungen und Sparpaket

Die Vorbereitungen für das Budget 2026 haben bereits begonnen, und im Oktober wird die Stadtregierung eine Entscheidung treffen müssen. Da der Bund weniger Unterstützung leisten wird, insbesondere durch die Abschaffung der kalten Progression, verliert Wien schätzungsweise 420 Millionen Euro. Der Schuldenstand der Stadt beläuft sich mittlerweile auf 11,9 Milliarden Euro. Für 2024 wurde ein Defizit von 1,7 Milliarden Euro prognostiziert, wobei in diesem Jahr mit einer Verdopplung auf 3,8 Milliarden Euro zu rechnen ist. Von den Gesamtausgaben in Höhe von 19,9 Milliarden Euro wurden 2024 bereits 1,2 Milliarden in den öffentlichen Verkehr investiert, mit einer steigenden Tendenz.

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