Thales Belgium warnt vor zunehmender Zahl unbekannter Drohnen über Rüstungsanlagen

Oktober 9, 2025 15:30
Thales Belgium warnt vor zunehmender Zahl unbekannter Drohnen über Rüstungsanlagen
Thales Belgium warnt vor zunehmender Zahl unbekannter Drohnen über Rüstungsanlagen

Die belgische Rüstungsfirma Thales Belgium hat Alarm geschlagen: In den vergangenen Monaten seien immer häufiger „unbekannte“ Drohnen über sensiblen Produktionsstandorten des Unternehmens gesichtet worden. Geschäftsführer Alain Quevrin erklärte am 8. Oktober 2025, dass die Zahl solcher Vorfälle in den letzten sechs Monaten „in arithmetischer Progression“ gestiegen sei. Besonders betroffen sei das Werk im Fort d’Evegnée in der Region Lüttich, wo Sprengstoffe für 70-Millimeter-Raketen gelagert werden, berichtete European Pravda.

Forderung nach klaren Regeln zum Umgang mit Drohnen

Quevrin forderte die belgische Regierung auf, klare gesetzliche Richtlinien zu schaffen, die festlegen, wann und wie feindliche Drohnen blockiert oder abgeschossen werden dürfen. Momentan ist es Unternehmen rechtlich untersagt, Störsender einzusetzen oder Drohnen abzuschießen – aus Sorge, herabstürzende Geräte könnten Menschen gefährden. Thales Belgium hat daher auf allen Standorten Systeme zur Drohnenerkennung installiert, sieht sich aber durch rechtliche Grauzonen in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt.

Hintergrund: Drohnenaktivität in Europa nimmt stark zu

Die Warnungen von Thales Belgium kommen zu einem Zeitpunkt, an dem mehrere europäische Staaten über eine steigende Zahl von Drohnensichtungen berichten. In den letzten Monaten meldeten die baltischen Staaten, Polen, Rumänien, Deutschland, Belgien, Norwegen, Dänemark und Schweden vermehrte Zwischenfälle mit unidentifizierten Flugobjekten. Besonders häufig treten sie in der Nähe militärischer oder industrieller Infrastruktur auf.

Deutsche Polizei erhält neue Befugnisse gegen Drohnen

Am selben Tag verabschiedete die Bundesregierung Änderungen des Bundespolizeigesetzes, um Beamten mehr Handlungsspielraum gegen Drohnen zu geben. Der neue Rechtsrahmen, der 30 Jahre alte Regelungen ersetzt, erlaubt der Bundespolizei künftig, Drohnen an Flughäfen oder im Bereich der Bahn-Infrastruktur abzufangen. Innenminister Alexander Dobrindt kündigte zudem die Gründung einer spezialisierten Anti-Drohnen-Einheit an. Künftig darf die Polizei auch eigene Drohnen einsetzen – etwa zur Beobachtung von Großveranstaltungen und Demonstrationen.

Russische Aktivität und Reaktion der NATO

Nach Angaben europäischer Sicherheitsdienste verstärkt Russland den Einsatz von Drohnen nicht nur gegen die Ukraine, sondern auch in Richtung der EU-Staaten. Ziel sei es, psychologischen Druck auf die europäische Bevölkerung auszuüben und politische Spaltungen innerhalb der EU zu fördern. Im September 2025 verletzten mindestens 19 Drohnen den polnischen Luftraum, von denen nur drei mit teuren „Luft-Luft“-Raketen moderner F-35-Kampfjets abgeschossen wurden. Ähnliche Berichte kamen aus Norwegen, Dänemark, Schweden, Italien und den baltischen Staaten.

NATO-Staaten reagierten mit verstärkter Luftüberwachung entlang der östlichen Allianzgrenze. Gleichzeitig diskutieren europäische Regierungen über neue Strategien zur Verbesserung ihrer Luftverteidigung. Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine zeigen, dass Systeme wie Patriot nur begrenzt gegen massenhafte Drohnenangriffe wirken. Stattdessen seien mobile Feuerteams und spezialisierte Schulungen entscheidend.

Strategische Bedeutung für die europäische Verteidigung

Laut Politico arbeitet Thales Belgium derzeit daran, seine Produktionskapazitäten für ungelenkte und lasergesteuerte Raketen zu verdoppeln – auf bis zu 70.000 Stück in den kommenden Jahren. Das Unternehmen verzeichnet eine außergewöhnlich hohe Nachfrage, da die NATO ihre Luftverteidigung stärkt. Zu den wichtigsten Kunden zählen Deutschland, Italien, Spanien und Polen; ein großer Teil der laufenden Produktion geht jedoch in die Ukraine.

Quevrin betonte, Belgien müsse nun dringend festlegen, wo die Zuständigkeiten von Polizei und Privatsektor beginnen und enden. Angesichts der wachsenden Drohnenbedrohung sei dies „eine Frage nationaler Sicherheit und europäischer Verantwortung“.

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