Die Einführung des Einwegpfands in Österreich hat nicht nur in privaten Haushalten für organisatorische Probleme gesorgt, sondern auch Unternehmen wie den Online-Supermarkt Alfies vor Herausforderungen gestellt. Besonders bemerkenswert ist der spürbare Rückgang bei der Nachfrage nach Dosenbier.
WIEN/SIMMERING. Seit Anfang des Jahres 2025 gilt in Österreich das neue Einwegpfandsystem, das nahezu jede Flasche mit einem Pfand versehen hat, das erst bei der Rückgabe zurückerstattet wird. Dies führt auch in Einpersonenhaushalten zu Platzproblemen und verursacht viel Frustration. Darüber berichtet Welt Stimme.
Der Online-Supermarkt Alfies hat mit zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen, die über das Platzproblem hinausgehen. Das Unternehmen gibt Einblicke in die Auswirkungen des neuen Systems, das auch die Lagerhaltung im Standort Simmering betrifft.
Container voller Pfand
Alfies bietet nicht nur die Lieferung von Lebensmitteln bis zur Haustüre an, sondern holt auch die gesammelten Pfandflaschen bei der nächsten Lieferung zurück. Der Pfandbetrag wird dem jeweiligen Kundenkonto gutgeschrieben, jedoch haben sich im Lager in Simmering große Mengen an Dosen und Flaschen angesammelt.
Gunther Michl, einer der Mitgründer und Geschäftsführer von Alfies, berichtet, dass das Unternehmen weiterhin lernt und sich anpasst. Zu Beginn der Umstellung wurden die Flaschen in Säcken gelagert, jetzt hat das Unternehmen einen eigenen Abfallcontainer für den Pfand eingerichtet.
Dieser Container wird mindestens dreimal pro Woche abgeholt und muss ständig verschlossen sein – „immerhin steckt da viel Geld drin“, so Michl. Zudem dürfen die vollen Säcke nicht einfach neben den Container geworfen, sondern müssen ordnungsgemäß hinein gelegt werden, da sonst die Flaschen und Dosen beschädigt werden könnten.
Rückgang beim Dosenbier
Des Weiteren musste Alfies seine Arbeitsabläufe anpassen. Das mitgenommene Pfand wird vor Ort von den Mitarbeitern erneut sortiert. Laut Michl hat sich die Dauer der Stopps für die Fahrerinnen und Fahrer bei den Kunden um etwa eine Minute verlängert.
Zusätzlich stellt das Einwegpfandsystem eine Veränderung im Kaufverhalten dar. Die Umsätze für Dosenbier sind nach der Einführung des Systems signifikant gesunken, während die Nachfrage nach pfandfreien, kleinen Bierflaschen gestiegen ist.
Eigenes Etikett für ausländische Produkte
Die größte Herausforderung für Alfies sind jedoch Produkte, die in herkömmlichen Supermärkten nicht erhältlich sind. Dazu gehören verschiedene Sorten des Energydrinks Monster, Near-water-Produkte wie San Pellegrino Aranciata und spezielle Softdrinks wie Dr. Pepper sowie Canada Dry Ginger-Ale.
Diese Produkte tragen aufgrund ihrer Zulieferung von internationalen Partnern keinen geeigneten Pfand-QR-Code. Nach einer gesetzlichen Übergangszeit, die Anfang 2026 endet, müssen auch diese Produkte mit einem solchen Code versehen werden. Alfies hat hierfür ein eigenes Etikett entwickelt, was zusätzliche Belastungen für das Unternehmen mit sich bringt.
Nachholbedarf bei Rückgaben
Eine Umfrage unter den Kunden von Alfies in Wien, Graz und der Schweiz im Frühjahr 2025 ergab, dass etwa drei Viertel die Einführung des neuen Pfandsystems unterstützen, jedoch bei der Rückgabe von Pfandflaschen noch Verbesserungsbedarf sehen. Viele wünschen sich geöffnete Pfandautomaten außerhalb der Geschäftszeiten oder digitale Rückerstattungen anstelle von Automatenbons.
Insgesamt zeigt sich, dass das Rückgabesystem bei Alfies bereits als gängige Praxis unter den Kunden etabliert ist, ähnlich dem Mehrwegpfand wie bei Glasflaschen. 86 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, sich gut mit dem neuen System auszukennen. Alfies hat die Einführung des Einwegpfands von Anfang an unterstützt und sieht dies als Teil seines Beitrags zur nachhaltigen Wirtschaftsweise.


