Experten diskutieren über Herausforderungen und Chancen der Landwirtschaft in Gamling

November 6, 2025 22:02
Experten diskutieren über Herausforderungen und Chancen der Landwirtschaft in Gamling

Die Landwirtschaft bleibt ein zentraler Pfeiler der Region, was Experten bei der 18. Diskussion über „Landwirtschaft in der Oststeiermark“ in Gamling thematisierten. Darüber berichtet Welt Stimme.

In Gamling, am landwirtschaftlichen Betrieb von Stefanie Gollner und Thomas Eberl, fand kürzlich die jährliche Diskussion statt. Diese Veranstaltung wird seit neun Jahren vom Kulturpakt Gleisdorf organisiert und von Kulturreferent Karl Bauer geleitet.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Thomas Eberl seinen Betrieb vor. Eberl, der zuvor in den USA tätig war, hat eine Leidenschaft für Texas-Longhorn-Rinder entwickelt, die er nun gemeinsam mit seiner Partnerin züchtet. Stefanie Gollner ist eine ausgebildete Pferdewirtin und führt den Betrieb im Vollerwerb.

Experten am Wort

An dem Podium nahmen Selina Eberl, Gemeinderätin und Landwirtin aus Labuch, Werner Höfler, Nebenerwerbslandwirt und Bürgermeister von Hofstätten, Johann Rath, Kammersekretär der Landwirtschaftskammer im Bezirk Weiz, und Peter Schiefer, Geschäftsführer vom Abwasserverband Gleisdorfer Becken und Nebenerwerbslandwirt in Nitscha, teil.

Nachfolgerin aus Leidenschaft

Selina Eberl, eine junge Obstbaumeisterin, wird im nächsten Jahr den Obsthof und die Backstube in Labuch übernehmen. „Landwirtschaft bedeutet für mich weit mehr als Arbeit, sie ist Lebensgrundlage, Verantwortung und Leidenschaft zugleich“, erklärte sie. Nachhaltiges Wirtschaften, regionale Qualität, ehrliche Arbeit und direkter Kundenkontakt sind ihr besonders wichtig.

Werner Höfler, freigestellter Fachlehrer für Pflanzenbau, führt seinen Betrieb mit Saatgutproduktion, Hackschnitzel und Kaminholz. Er betonte die Wichtigkeit der Ressourcenbewahrung, Diversität und Erosionsschutz. Höfler erklärte, dass sich kulturelle Kompetenzen und Fähigkeiten verschoben haben und plädierte für einen stärkeren praktischen Bezug zur Landwirtschaft in Schulen.

„Die Begeisterung der Kinder ist enorm, wenn die Pflanzen zu wachsen beginnen. Das zeigt, dass wir von Natur aus eine besondere Bindung zu Pflanzen und Tieren haben. Dieses ureigene Bedürfnis der Menschen muss unbedingt stärker forciert und ein fixer Bestandteil in unseren Schulen werden“, so Höfler.

Landwirtschaft weiß zu begeistern

Johann Rath, als Kammersekretär gut vernetzt, erklärte die Herausforderungen und den Strukturwandel der vergangenen 30 Jahre. Er warnte vor Polarisierung und betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesellschaft. Eine der größten Herausforderungen sei die Digitalisierung und der Umgang mit sozialen und naturrisikobezogenen Themen. Gesellschaftliche Konflikte und Arbeitsbelastungen träfen die Branche stark.

„Mit dem Betriebssterben geht auch die ländliche Kultur, z. B. Schnapsbrennen und Korbflechten, verloren. Die Entfremdung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft nimmt zu, weshalb sich viele Landwirte missverstanden und nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen.“
Johann Rath, Kammersekretär im Bezirk Weiz

Peter Schiefer beschreibt sich als „Nebenerhaltungslandwirt“ eines kleinen gemischten Betriebes. Er betonte, dass es ein tolles Gefühl ist, sich selbst versorgen zu können. Mit seiner wirtschaftlichen Ausbildung konnte er in der Versicherungs- und Marketingbranche Fuß fassen, bevor er in die Politik ging. Heute ist er Geschäftsführer des Abwasserverbandes Gleisdorfer Becken. Er sprach die Herausforderungen des Konsumverhaltens und die Konzentration von Supermärkten in Österreich an.

Schiefer hob die Bedeutung von Direktvermarktern in der Region hervor und nannte Probleme, die Landwirte mit Nachbarn und Sportlern erleben können. Er betonte, dass der Bezirk Weiz reich an Nischen- und Leitprodukten sei und mit Frische, Qualität und direktem Kundenkontakt punkten könne.

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