Am Landesgericht St. Pölten ist ein 41-jähriger Mann aus dem Bezirk Lilienfeld wegen des Vorwurfs des Raubs gegen seinen Vater und wegen Körperverletzung an seinem sechsjährigen Neffen verhandelt worden. Zu einer Schuldgeständnis beim Raub kam es nicht.
Im Mittelpunkt steht ein Vorfall mit zwei Zigaretten. Laut Anklage soll der Mann seinen Vater unter Druck gesetzt haben; der Vater sagte, der Sohn habe ihn bedroht und ihm in den Bauch geschlagen, bevor er die Zigaretten herausgab. Der Angeklagte schilderte den Ablauf anders und sagte, er habe nur danach gefragt, der Vater habe sie freiwillig gegeben.
Der 41-Jährige räumte ein, seinen Vater bedroht und geschlagen zu haben, bestritt aber den Vorwurf des minder schweren Raubs. Die Staatsanwaltschaft wertet den Vorgang dennoch als vollendeten Raub, weil die Zigaretten erst nach der angeblichen Drohung und dem Angriff übergeben worden seien.
Auch der zweite Vorwurf betrifft einen familiären Zusammenhang. Der Mann ist wegen Körperverletzung an seinem sechsjährigen Neffen angeklagt; er sagte, er habe auf die Kinder „zum Spaß“ gezielt und den Neffen getroffen. Nach den Angaben der Mutter des Kindes wurde der Bub am Ohr von einem Schuss mit einer Softair-Waffe getroffen.
Nach den im Verfahren genannten Angaben wurde bei dem Mann eine schwerwiegende psychische Erkrankung diagnostiziert. Seine strafrechtliche Verantwortlichkeit zum Tatzeitpunkt ist deshalb offen und soll durch ein Gutachten geklärt werden.
Die Verhandlung wurde dafür vertagt. Der Mann befindet sich laut Bericht in Untersuchungshaft und hatte zuvor in einem Obdachlosenheim gelebt.


