Die russische Landwirtschaft hat im Juni 2026 ihre Produktion in vergleichbaren Preisen um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesenkt. Zugleich verringerte sich der Anteil profitabler Agrarbetriebe innerhalb eines Jahres von 79,5 auf 71,5 Prozent. Die Entwicklung betrifft sowohl den Pflanzenbau als auch wesentliche Bereiche der Tierhaltung. Als Belastungsfaktoren werden steigende Kosten, die Folgen von Wetteranomalien, Probleme mit importierter Ausrüstung und Engpässe bei Dieselkraftstoff genannt. Die veröffentlichten Angaben für Juni 2026 zeichnen damit ein angespanntes Bild der Branche.
Die negative Entwicklung hatte sich bereits in den ersten Monaten des Jahres abgezeichnet. Für das erste Halbjahr lag der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion bei 0,8 Prozent. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres war noch ein Wachstum von 1,1 Prozent registriert worden. Im Juni beschleunigte sich der Rückgang auf 2,9 Prozent im Jahresvergleich.
Weniger Getreide auf den Feldern
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beim Getreide. Bis zum 1. Juli waren Getreide und Hülsenfrüchte in landwirtschaftlichen Organisationen auf einer Fläche von lediglich 0,3 Millionen Hektar gedroschen worden. Das waren 51,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Während der Ernte gerieten Landwirte in mehreren Regionen zudem mit geschlossenen Tankstellen, Warteschlangen und Beschränkungen bei der Abgabe von Dieselkraftstoff unter Druck. Maschinen standen deshalb nach Angaben von Marktteilnehmern direkt auf den Feldern still.
Als besonders schwierig wurde die Lage im Altai-Gebiet, in den Regionen Nowosibirsk und Irkutsk sowie in den Gebieten Krasnodar, Stawropol und Rostow beschrieben. Auf Grundlage der Entwicklung verschlechterten Analysten ihre Prognosen für die Ernte. Eine konkrete neue Ernteschätzung wird in den vorliegenden Angaben jedoch nicht genannt.
Tierhaltung kann Rückgang nicht ausgleichen
Die Tierhaltung konnte den schwächeren Pflanzenbau nicht kompensieren. Große landwirtschaftliche Organisationen produzierten im Juni 1,3 Prozent weniger Vieh und Geflügel zur Schlachtung. Der Bestand an Rindern verringerte sich bis zum Monatsende um 4,1 Prozent. Im gleichen Ausmaß ging auch die Zahl der Kühe zurück. Bei Schafen und Ziegen wurde ein Rückgang von 8,3 Prozent verzeichnet, bei Geflügel von 2,4 Prozent.
Die Geflügelfleischproduktion sank im Juni um 5,4 Prozent. Eine Ausnahme blieb die Schweinehaltung: Die Produktion in Lebendgewicht nahm im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent zu. Schweinehaltungsbetriebe sind im vorliegenden Material als weniger abhängig von importierten Komponenten beschrieben als andere Bereiche der Tierproduktion.
Gleichzeitig sanken die Erzeugerpreise für tierische Produkte im Juni um 3,3 Prozent. Bei Eiern betrug der Rückgang 15,6 Prozent. Zusammen mit höheren Kosten für die Wartung und den Betrieb importierter Anlagen verschlechterte dies die Margen der Betriebe. Viele Unternehmen kürzten deshalb ihre Investitionsprogramme oder verschoben die Erneuerung ihrer technischen Ausstattung.
Landtechnik unter Druck
Die Entwicklung am Markt für Landtechnik weist ebenfalls auf eine schwächere Nachfrage hin. Nach dem Juli-Bericht des Verbands Rosspetsmasch stieg der Umsatz mit inländischer Landtechnik im ersten Halbjahr zwar um 11,2 Prozent auf 85,5 Milliarden Rubel einschließlich Mehrwertsteuer. Der Zuwachs lag damit nur wenig über der Inflation und wurde nach den vorliegenden Angaben teilweise durch den niedrigen Vergleichswert der vergangenen Jahre sowie durch höhere Maschinenpreise getragen.
Das Produktionsvolumen der Landtechnik ging hingegen um 2,2 Prozent auf 106,2 Milliarden Rubel zurück. Die Hersteller arbeiteten unter Bedingungen voller Lager und unsicherer Nachfrage. Die rückläufige Produktion wird im vorliegenden Material mit den geringeren Investitionen der Agrarbetriebe, den gestiegenen Kosten und den Schwierigkeiten bei der Finanzierung in Verbindung gebracht. Eine weitergehende Aussage über einzelne Unternehmen oder mögliche Insolvenzen ist daraus nicht abzuleiten.
Als zusätzlicher Belastungsfaktor wird die fortgesetzte russische Aggression gegen die Ukraine und der damit verbundene Sanktionsdruck genannt. Beschränkungen bei Lieferungen sowie die Verteuerung der Wartung und der Ersatzteile für importierte Technik haben nach den vorliegenden Angaben die Rentabilität der Branche geschmälert. Zugleich wird darauf verwiesen, dass der russische Agrarsektor trotz einer zwölfjährigen Politik der Importsubstitution weiterhin von importiertem Saatgut, Futtermittelzusätzen, Tierarzneimitteln und ausländischer Technik abhängig ist.
In den ergänzenden Thesen werden außerdem eine straffe Geldpolitik der russischen Zentralbank und ein erschwerter Zugang zu kommerziellen Krediten angeführt. Hinzu kommen ein höherer fiskalischer Druck, Änderungen bei der Berechnung der Mehrwertsteuer, die Abschaffung bestimmter regionaler Steuervergünstigungen und höhere Versicherungsbeiträge. Diese Faktoren werden als Gründe genannt, warum Betriebe weniger Mittel für laufende Ausgaben, Löhne, Investitionen und die Vorbereitung der nächsten Produktionssaison zur Verfügung haben.
Die veröffentlichten Kennzahlen zeigen dabei ein uneinheitliches Bild: Die Schweinehaltung wächst, während die Bestände bei Rindern, Schafen, Ziegen und Geflügel zurückgehen. Insgesamt sank der Anteil profitabler Betriebe jedoch deutlich. Auch die Produktionszahlen bei Agrartechnik und Getreide weisen für das erste Halbjahr auf eine geringere Aktivität hin. Die Entwicklung der russischen Landwirtschaft wird daher im weiteren Jahresverlauf vor allem von Ernte, Kosten und der Verfügbarkeit von Treibstoff und Ausrüstung geprägt sein.


